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Seduction in Silk - England im Jahre 1763
      

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#1
sSeduction in Silk
England 1763


1760 - George III wird im Alter von 22 Jahren König
1760 - George ernennt seinen schottischen Tutor und Mentor, John Stuart (3rd Earl of Bute) zum Außenminister
1760 – Der König heiratet die 17-jährige Charlotte von Mecklenburg-Strelitz
1761 - das royale Paar zieht ins Buckingham House, das der Königin als Rückzugsort für die Familie übergeben und fortan Queen's House genannt wird
1761 - Lord Bute wird Premierminister
1761 - Butes Gegner verbreiten das verleumderische Gerücht, er habe eine Affäre mit der Mutter des Königs, und nutzen anti-schottische Vorurteile unter den Engländern aus
1761 - das Parlamentsmitglied John Wilkes gründet die Zeitung „The North Briton“, welche Lord Bute und somit dem König gegenüber feindlich gesinnt ist
Februar 1763 - Frieden von Paris wird unterzeichnet und beendet den Siebenjährigen Krieg, doch der an Bedingungen geknüpfte Waffenstillstand ist stark umstritten
1763 - Lord Bute tritt aufgrund wachsender Unpopularität (vorrangig, weil er Schotte ist) zurück und George Grenville übernimmt das Amt
1763 - Die „North Briton“ veröffentlicht ihre 45. Ausgabe, in welcher der  König direkt angegriffen und als Lügner betitelt wird. John Wilkes wird daraufhin in den Tower gesperrt, kommt jedoch wenige Wochen später frei, da er als Abgeordneter einen besonderen Schutz genießt. Es wird weiter gegen ihn ermittelt.


Charakterverzeichnis

Weiblich
Miss Imogen Smith
Lady Roselyn Shaw
Männlich
Arnwald Herondale, Marquis of Dannamore
Enrique de la Cruz, Duque de Cardona

Arnwald Herondale, Marquis of Dannamore

10. März 1763 /// Als er gegen vier Uhr nachmittags einer nervenzermürbenden Teegesellschaft mit Viscount Permbridge und seinen vier Töchtern entkam, sehnte sich Arnwald verzweifelt danach, all den Frust hinauszubrüllen, der sich im Laufe der verlorenen Stunden in ihm angestaut hatte. Stattdessen marschierte er strammen Schrittes zu seiner Kutsche, deren Tür ihm bereits vom verdutzt dreinschauenden Smythe aufgehalten wurde. „Ich möchte nicht darüber sprechen“, erklärte er dem hageren Butler schroff, stieg in den edlen Verschlag und bewog sich zu warten, bis sie losgefahren waren, ehe er seinem Unmut freien Lauf ließ. Und bei Gott, das tat er. Smythe lächelte, als er zurück auf den Kutschbock stieg, die Pferde antrieb und seinen Herrn mit der Leidenschaft eines bärbeißigen Seemannes vor sich hin fluchen hörte.

Den Rest des Tages zog sich der junge Marquis in seine Stadtvilla zurück, wo er überfälliger Arbeit nachkam. Hoskins hatte ihm einen Großteil der Unterlagen nachgeschickt, die er vor seiner Abreise nicht mehr hatte durchgehen können und die nun zwangsläufig sein Abendprogramm darstellten. Die Stunden verstrichen, während im Kamin die Flammen knisterten und die Bibliothek, die gleichermaßen als Arbeitszimmer fungierte, in schummriges Licht tauchten. Gegen 20 Uhr legte Arn den Federkiel beiseite, löschte mit Sand und drückte ein letztes Mal sein Siegel in einen Klecks flüssigen Wachses, ehe er sich im Sessel zurücklehnte und für eine Weile die blauen Augen schloss. Als er sie wieder öffnete, schien der Stapel, den er abgearbeitet hatte, plötzlich doch wieder kleiner zu sein als der, der noch unangetastet vor ihm lag. „Lieber Gott im Himmel“, fluchte er leise. Allmählich verstand er, warum Conrad in seinem ersten Jahr als Marquis so unausstehlich gewesen war. Smythe, der in der Ecke saß und ein Buch las, hob zaghaft den Blick, als sein Arbeitgeber vom Schreibtisch aufstand und zum Fenster flanierte, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Inzwischen war es vollkommen dunkel draußen, und doch, oder gerade deshalb, zog es Arnwald gewaltsam an die frische Luft. „Ich werde noch einen Spaziergang machen“, verkündete er. „Und ich möchte Sie bitten, nicht auf mich zu warten, Smythe.“ Der altehrwürdige Butler ließ langsam seine Lektüre sinken. „Mit Verlaub, Mylord, aber ich halte das für keine gute Idee. Die Überfälle in dieser Gegend häufen sich in letzter Zeit...“ Arn fuhr langsam herum, ein entspanntes Lächeln auf Lippen. „Dann muss ich wie jemand aussehen, der den Aufwand nicht wert ist.“

Zwanzig Minuten später verließ er die heimatlichen Gefilde, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. In den privaten Sachen von Fletcher, dem Stallmeister, sah er tatsächlich wie ein gewöhnlicher Bürgerlicher aus. Die braunen Breeches aus Leder schmiegten sich einen Hauch zu eng um seine Oberschenkel, die abgenutzten Stiefel wie angegossen um seine Waden und das alte Leinenhemd sah unter der anschmiegsamen Wildlederweste durchweg leger und maskulin aus. Dazu hatte er sich ein schwarzes Halstuch umgebunden und trug sein sanft gewelltes Haar, das ihm bis knapp unter die Schultern reichte, einfach offen. Niemand würde ihn in diesem Aufzug für hochgeboren halten – es sei denn, man fokussierte sich auf die angeborene Eleganz seiner Bewegungen, die er auf Teufel komm raus nicht abzustellen vermochte. Manchmal gelang es ihm, doch immer nur so lange, bis seine Aufmerksamkeit wieder etwas anderem zuflog. Räuspernd zupfte er sich das Halstuch zurecht und wandte sich noch einmal halb zu Smythe um, der mit unzufriedenem Blick im Türrahmen stand. Der wortlose Tadel wurde mit einem breiten Lächeln quittiert, ehe der Marquis of Dannamore in den Schatten der Nacht verschwand.
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