Vor 8 Stunden - Wörter:
Too Much and Never Enough
Spielende Charaktere:
Vereinbarung:
- Antwortfrist: 1 Monat
- Wenn länger abwesend:Warten 1-2 Monate
- Wenn jemand ausfällt: Hauptcharakter Gegenpart neu ausschreiben
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"Bist du immer noch bei dieser Agentur, Liebes?" erklang es beinah vorwurfsvoll aus dem Lautsprecher ihres Handys.
"Ja, Ellie, und sag das nicht so. Das ist kein Eskortservice fürs Bett, sondern anspruchsvolle Kunst- und Kulturevents. Die Männer, die mich buchen, sind meist verheiratet aber ihre Frauen entweder verhindert oder interessieren sich nicht dafür.
Und außerdem...",
fügte Anna noch hinzu, während sie ihre Wimpern zu Ende tuschte,
"...lerne ich noch was dabei UND verdiene in 4 Stunden bis zu 300$ ohne Trinkgeld und muss keinen Cent für Eintritt, Getränke oder Essen ausgeben. Und wenn ein Kunde einen speziellen Wunsch bezüglich Garderobe hat, bekomme ich das im Fall der Fälle auch bezahlt. Das habe ich nicht mal als Kellnerin inklusive Trinkgeld zusammenbekommen."
Am anderen Ende der Leitung lachte ihre Freundin neckisch und laut.
"Ich weiß, Anna. Das sollte auch nur ein Scherz sein. Ich bin ehrlich gesagt auch etwas neidisch, aber ich bin nicht so der Smalltalk-Mensch und Kunst interessiert mich auch nicht."
"Ach was, du hättest bestimmt nur Kunden mit Einschlafproblemen, denen du was vorlesen sollst."
"Hey!"
Nun war es Anna, die lachte. Sie liebte ihre Freundin Ellie, vor allem weil man sich so unbeschwert mit ihr Kabbeln konnte.
"Okay, Darling. Ich muss Schluss machen. Wir hören uns."
"Alles klar, Anna Banana. Viel Spaaahaaaaß!"[i]
[i]*Biep*
Kaum aufgelegt musste Anna auch schon weitermachen. Das Make-up, das ihre grünen Augen betonte, saß, die Frisur ebenfalls - sie trug ihr braunes, leicht gewelltes Haar offen, während sie eine Seite streng nach hinten gezogen mit einer kleine dezent-goldene Spange fixierte, sodass ihre rechte Schulter frei lag.
Ihre Abendgarderobe hing ebenfalls parat: ein schwarzes langes Kleid aus leicht glitzerndem Stoff, mit dünnen Trägern, geradem Ausschnitt und Beinschlitz. Ihr Kunde, James Connroy, mochte es, wenn seine Begleitung seinen Freunden den Kopf verdrehte und die Presse sich das Maul über seine Ehe zerriss. "Gut für's Geschäft", sagte er stets.
Anna störte es nicht, denn sie wusste, James war glücklich verheiratet, würde sie nie anfassen und würde auch niemals zulassen, dass einer seine Freunde Hand an sie legte. Außerdem buchte James sie regelmäßig und war so zu eine Art gutem Bekannten geworden. Einem guten, betuchten Bekannten.
Und wenn Anna ihr Studiendarlehen so ansah, brauchte sie eigentlich noch mehr Kunden, wie James Connroy. Da würde sie ein strategisch platzierter Beinschlitz schon nicht umbringen.
Anna holte das Kleid vom Bügel, stieg hinein und ließ den weichen Stoff über ihren Körper gleiten. Der Reißverschluss war seitlich, sie brauchte also auch keine Hilfe beim Schließen. Sie mochte es praktisch, selbst bei Anlässen wie diesen.
Die schwarzen Pumps hatte sie sich auf Empfehlung von Misses Connroy von einem bekannten Fashion Designer geleistet und auch noch den Tipp bekommen die 500$ bei der Steuer einzureichen. "Arbeitsmittel", hatte Misses Connroy gemeint. Und es hatte funktioniert.
Die Reichen wussten einfach, wie man Geld sparte.
Ein letzter Blick in den Spiegel, ein Spritzer von ihrem Lieblingsparfüm -Flora [i]von [i]Gucci-, ihre Handtasche passend zum Kleid, Handy und Schlüssel und Anna war ready to go.
Sie schloss ihr Apartment ab und nahm den Aufzug nach unten in den kleinen Eingangsbereich. Dort erblickte sie Robert, James' Fahrer, wie immer im schwarzen Anzug, der bereits auf sie wartete.
"Miss Babineaux, Sie sehen wie immer bezaubernd aus. Hier..." er reichte ihr seinen Arm mit einem ehrlichen Lächeln und öffnete einen schwarzen Regenschirm.
"Wir wollen doch nicht, dass der Regen alles zunichte macht."
"Danke, Robert. Wirklich sehr nett. Wie geht's Ihrer Frau?"
Anna hakte sich bei ihm ein, vernahm, dass es seiner Frau und Familie gut ging und ließ sich von Robert nach draußen in den Regen führen. Er hatte glücklicherweise direkt am Eingang geparkt, sie musste also nur die 5 Schritte quer über den Fußgängerweg gehen, ehe Robert die Tür für sie öffnete und sie einsteigen konnte.
"Guten Abend James." begrüßte Anna ihren Stammkunden fröhlich. Es war immer eine Freude James auf Events zu begleiten. Er hatte einen exzellenten Geschmack und kannte unglaublich viele Leute.
"Guten Abend Anna, bezaubernd wie immer." entgegnete James mit einem ähnlich breiten Lächeln, woraufhin sie ein Küsschen links und eines rechts tauschten.
"Schreckliches Wetter, oder?"
"Das stimmt, James, aber das macht die Gesellschaft wieder wett."
Es war kein Flirtversuch von Anna, sie meinte es ernst. James war ein sehr angenehmer Klient.
"Ach, du wieder." James lachte laut, wusste aber natürlich wie er das Kompliment zu nehmen hatte.
"Wie geht es Ihrer Frau? Schade, dass sie Sie nicht begleiten konnte."
"Ach naja, du weißt ja, wie sie ist. Selbst im Ruhestand noch fleißig wie eh und je. Sie kann es einfach nicht lassen, sich nicht einzumischen."
"Ich bewundere sie, dass sie nach all der Zeit immer noch so viel Leidenschaft für das Geschäft zeigt."
"Allerdings." Man konnte den Stolz in James' Stimme und Blick für seine Frau deutlich hören und sehen. Noch etwas, das Anna bewunderte und tatsächlich beneidete. Die Liebe und Zuneigung der beiden für einander, war etwas, das ihr schmerzlich fehlte in ihrem Leben.
"Also, wohin geht es heute? Wohin entführen Sie mich heute, James?" fragte Anna gespannt und wechselte das Thema, um ihre dunklen Wolken zu vertreiben.