Vor 1 Stunde - Wörter:
Ein Nervenkitzel kommt selten allein
Hagen und Notker treffen sich bei der Weinstube
Spielende Charaktere:
@Notker Lotfried @Hagen von Gersdorff
Vereinbarung:
- Antwortfrist: 1 Monat
- Wenn länger abwesend:Beenden
- Wenn jemand ausfällt: Beenden
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19.05.2019
Geschäftsessen gehörten für Hagen schon seit Ewigkeiten zu seiner Arbeit dazu. Damals, im tiefsten Mittelalter, hatte er am Königshofe an einer der langen Tafeln diniert, später, zwischen der Renaissance, die nie in Deutschland angekommen war, und der Neuzeit, war er in opulente Gasthöfe untergekommen, war zu den Herren und Damen in ihre prächtigen Häuser eingeladen oder hatte selbst in seinen Häusern auftischen lassen. Das gemeinsame Essen mit Geschäftspartnern und Kunden hatte immer zum guten Ton gehört und Hagen hatte es auch immer gemocht. Erst beim Essen wurden die Stärken und Schwächen seiner Gegenüber richtig sichtbar. Er hatte stets beobachtet, wie die fein gekleideten Herren und Damen mit ihrem Personal umgegangen waren, welche Manieren sie beim Essen zeigten und wie sie sich ihre Verbindungen zu Hagen vorstellten. Nicht selten waren ihm ledige Töchter vorgestellt worden.
Heute waren Geschäftsessen in der Organisation wesentlich einfacher zu gestalten, doch die üblichen Punkte, die er für wichtig für künftige Entscheidungen empfand, waren geblieben.
Er hielt sich von Interessenten fern, die das Servicepersonal beleidigten, beim Essen ihre gute Kinderstube vergassen oder dazu übergingen, sich bei ihm einzuschleimen oder Gefälligkeiten anboten, die über das Geschäftliche hinausgingen. Hagen hatte keinerlei Interesse daran, sich ködern zu lassen. Er setzte die Bedingungen voraus. Er verhandelte. Er sagte Ja oder Nein. Kompromisse ging er nur ungern ein, und wenn, dann mussten sie einen bedeutungsschweren Grund haben.
Heute war eines dieser Geschäftsessen. Er hatte mit Kevin Hudson, einem englischen Bankier und Hobbyarchitekt, um 18 Uhr ein Essen vereinbart. Sie arbeiteten schon seit einem Jahrzehnt bei einigen Projekten im europäischen Ausland zusammen, wobei es sich dabei eher um kleinere Projekte handelte, im tieferen zweistelligen Millionenbereich. Hudson gehörte zu den angenehmeren Zeitgenossen, der eine ehrliche und humorvolle Haut besass und zu Hagen ein eher freundschaftliches Verhältnis pflegte. Wann immer er sich gerade in Deutschland aufhielt oder Hagen in England verweilte, vereinbarten sie zwei Treffen. Eines, um über die Geschäfte zu reden, und eines, um über die Geschäfte zu reden und dabei zu essen.
Frau Kling, Hagens Sekretärin mit einem Aussehen, wie aus einem Pornobilderbuch, hatte ein Tisch in der Weinstube am Brühl reserviert. Selbstverständlich hatte sie das. Hagen machte solche Abklärungen nicht selbst. Wozu auch? Er hatte dafür Angestellte und Frau Kling tat schlichtweg alles, was er von ihr forderte. Entsprechend gütlich wurde sie belohnt. Sie war ein Workaholic wie er. Sie ergänzten sich perfekt.
Allerdings war Hagen schon eine Stunde vorher angekommen. Ihm war Pünktlichkeit wichtig, aber nicht so wichtig, wie man es bei ihm oft annahm. Ob er früher oder später als Hudson auftauchte, interessierte ihn nicht. Nein, er war nicht wegen seinem englischen Geschäftspartner so früh hergekommen, er hatte noch einen Termin eingeschoben.
Hagen hatte sein Auto auf dem Parkplatz des Hotels parkiert, in welchem die Weinstube untergebracht war, und war zur gegenüberliegenden Seite des Vitalhauses gelaufen, um sich dort unter einem der schattenspendenden Bäume der Allee zu stellen. Er wartete auf Notker Lotfried, der ihm einen Zwischenbericht abgeben musste. Nicht auf Papier, nicht in einer E-Mail. Hagen erwartete den Bericht persönlich und verbal. Es war nicht immer von Vorteil, wenn alles schriftlich festgehalten wurde.
Hagen trug eine schwarze Anzugshose und dazu sündhaft teure schwarze Schnürschuhe - und schwarze Socken, deren Preisetikett einen dreistelligen Betrag angezeigt hatte. Das Ganze wurde mit einem bordeauxroten Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln gekrönt. Darüber lag eine enge, massgeschneiderte, schwarze Weste. An seinem Handgelenk prangte eine goldene Audemars Piguet Royal Oak Rose Gold - Uhr im Wert eines Neuwagens. Hagen geizte nicht mit seinem Reichtum. Er zeigte ihn. Was hatte er auch zu befürchten? Er war so gut wie unsterblich und die meisten Alben waren reich - oder wurden es im Verlauf ihres Lebens. Sie lernten unaufhörlich und sie waren klug. Das galt eigentlich auch für die Lotfrieds, nur war deren Schwerpunkt eher auf die Familie gerichtet, auf die Harmonie, und weniger auf den Erfolg und den Ehrgeiz. Nun ja, in jeder guten Familie gab es ein paar Verwandte, denen man unter die Arme greifen musste.
Hagen sah durch seine Cartier Panthère Gold Sonnenbrille auf seine Uhr. Es war kurz vor fünf. Er hatte Lotfried vorgestern eine Nachricht geschickt, dass er ihn hier erwartete. Hagens Auto stand Gottseidank nicht in unmittelbarer Nähe und konnte deshalb kein weiteres Mal beschädigt werden.
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