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		<title><![CDATA[The Storyteller - Stadt]]></title>
		<link>https://the-storyteller.eu/</link>
		<description><![CDATA[The Storyteller - https://the-storyteller.eu]]></description>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 18:31:54 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Am Anfang war das Chaos - am Ende auch]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1386.html</link>
			<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 20:37:57 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=302">Floyd</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://the-storyteller.eu/thread-1386.html</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">HAGEN VON GERSDORFF</span></div>
<br />
19 Uhr.<br />
Für Hagen waren derart lange Arbeitstage keine Seltenheit. Sie waren nur in den letzten Wochen etwas seltener geworden, weil sich in seinem Privatleben tatsächlich etwas ergeben hatte, was Hagen priorisierte. Es gab jetzt nämlich jemanden, der ihn erwartete. Natürlich nicht täglich, das behaupteten sie beide, auch wenn sie sich so gut wie täglich sahen, weil es eben immer irgendeinen Grund gab, sich sehen zu müssen. Auch zu späterer Stunde noch, weil, nun weil das eben einfach so war.<br />
Dennoch kam er meistens nie vor acht Uhr abends nach Hause, entsprechend lag der heutige abendliche Termin nicht ausserhalb von Hagens Gewohnheiten.<br />
Die Büroräumlichkeiten gab es seit März dieses Jahres. Es war eine vorübergehende Zweigniederlassung seiner Firma, weil Hagen den riesigen Harzer Freizeitpark hier plante und wegen der ganzen Abklärungen vor Ort in seiner Heimat sein wollte. Hannover lag zwar nicht weit weg, aber mit dem Auto dauerte es doch eine ganze Weile, bis man von einem Ort zum anderen gelang.<br />
Betrat man das Büro, wurde man von einem grossen Raum empfangen, in welchem mehrere äusserst moderne Arbeitsplätze untergebracht waren. Nichts in der Inneneinrichtung war dem Zufall überlassen worden, man sah weder irgendwo einen Kabelsalat noch uralte Geräte. Die Einrichtung wirkte zeitlos, aber nicht steril, denn der grosszügige Raum wurde mit Pflanzen und Gemälden aufgelockert und die grossen Fensterfronten liessen eine Menge Licht herein. An der fensterlosen Seite gab es ein Sitzungszimmer, welches mit einer Glasfront versehen war. Selbstverständlich konnte man dieses Zimmer abdunkeln, aber die pikanten und wichtigen Gespräche führte Hagen in seinem eigenen Büro, welches am anderen Ende des grossen Büroraumes lag und dessen Tür geschlossen war.<br />
Hagens Büro war von Bodo Schwarz verwüstet worden, nachdem dieser mit seinem Freund und Hagens ehemaligen 'Sucher' zu Besuch gekommen war. Die Begegnung hatte unschön geendet. Hagen hatte von beiden je einen Faustschlag ins Gesicht erhalten und Bodo hatte sein Büro unter Wasser gesetzt. Seither hatte er von Lando nichts mehr gehört, egal wie sehr er sich bemühte, ihn ausfindig zu machen.<br />
Die Arbeit konnte dennoch nicht liegenbleiben und auch wenn Hagen mit der Schmach, die deutlich in seinem Gesicht zu sehen gewesen war, erst einmal alle persönlichen Termine abgesagt oder verschoben hatte, war er täglich ins Büro gekommen. Seine Angestellten hatten das erfahren, was er sie hatte wissen lassen. Nicht mehr und nicht weniger. Er hatte von einem Missverständnis gesprochen und einer übertriebenen Reaktion eines Mannes, der je nach Situation emotional reagierte (Bodo, den er aber namentlich nicht erwähnte).<br />
Trotz seiner Eitelkeit war er selbstbewusst genug, um sich nicht beschämt zu verkriechen. Er hatte die Blamage hingenommen und damit auch dafür gesorgt, dass er zu keinem Zeitpunkt geschwächt oder in seinem Selbstbewusstsein erschüttert wahrgenommen wurde. Denn das war er auch nie gewesen.<br />
Seine Arbeit erledigte er seither allerdings im Sitzungszimmer, wo ihn die Angestellten bei Lust und Laune durch die Glasfront beobachten konnten, aber nicht dabei erwischt werden wollten. Hagen war allerdings auch ein Geschäftsmann, der viel unterwegs war, und so kam es auch immer wieder vor, dass er stundenweise ausserhalb des Büros war.<br />
<br />
Heute hatte sich das Büro aber schon reichlich geleert. Sogar Frau Kling hatte sich vor wenigen Minuten verabschiedet, da sie noch einige Aufträge für Hagen zu erledigen hatte. Und deshalb befanden sich nur noch er und die Praktikantin Leah-Salome Wagner im Büro. Hagen hatte bisher kaum ein Wort mit der jungen Frau gesprochen, da es einfach keinen Grund gegeben hatte, das zu tun. Er wusste, wie sie hiess und wieso sie hier war, mehr kümmerte ihn aber nicht. Für die Ausbildungen der jungen Generationen waren andere zuständig und Hagen vertraute auf deren Professionalität und Urteilen.<br />
Dass es sich bei Frau Wagner nicht um irgendeinen Menschen handelte, war ihm allerdings nicht bewusst, genauso wenig wie sie wusste, dass Hagen schon über eintausend Jahre lebte.<br />
Alles, was sie über ihn wusste, stand im Firmenprofil, welches selbstverständlich alle paar Jahre angepasst wurde. Schliesslich sah Hagen, abgesehen von einigen Änderungen der Frisuren und Kleidungsstilen, seit des Karolingischen Zeitalters gleich jung oder alt aus.<br />
Ausserdem wusste Leah-Salome Wagner das um neunzehn Uhr noch Besuch erwartet wurde. Warum sie überhaupt noch anwesend war, wusste Hagen allerdings auch nicht. Ihr stand es frei, ihren Feierabend selbst festzulegen. Dafür durfte sie aber auch länger bleiben, wenn sie noch Projekte für die Schule professionell hier gestalten oder lernen wollte. Sie besass einen Schlüssel. Ein Badge. Wie jeder Mitarbeiter, der hier ein- und ausging.<br />
<br />
Hagen blickte von seinem Laptopbildschirm auf und sah aus der Glasfront direkt zu Leahs Arbeitsplatz. Sie war fleissig und lernwillig, soweit er wusste.<br />
Er klappte den Laptop zu, stand auf und öffnete dann die Tür des Sitzungszimmers. Er sah kurz erneut zu ihr und dann zur Tür. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Er verspätet sich."</span>, sagte er in einem sachlichen Ton, der nicht sofort erkennen liess, ob diese Feststellung lediglich eine Feststellung war oder ein Donnerwetter hinter sich herzog.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">HAGEN VON GERSDORFF</span></div>
<br />
19 Uhr.<br />
Für Hagen waren derart lange Arbeitstage keine Seltenheit. Sie waren nur in den letzten Wochen etwas seltener geworden, weil sich in seinem Privatleben tatsächlich etwas ergeben hatte, was Hagen priorisierte. Es gab jetzt nämlich jemanden, der ihn erwartete. Natürlich nicht täglich, das behaupteten sie beide, auch wenn sie sich so gut wie täglich sahen, weil es eben immer irgendeinen Grund gab, sich sehen zu müssen. Auch zu späterer Stunde noch, weil, nun weil das eben einfach so war.<br />
Dennoch kam er meistens nie vor acht Uhr abends nach Hause, entsprechend lag der heutige abendliche Termin nicht ausserhalb von Hagens Gewohnheiten.<br />
Die Büroräumlichkeiten gab es seit März dieses Jahres. Es war eine vorübergehende Zweigniederlassung seiner Firma, weil Hagen den riesigen Harzer Freizeitpark hier plante und wegen der ganzen Abklärungen vor Ort in seiner Heimat sein wollte. Hannover lag zwar nicht weit weg, aber mit dem Auto dauerte es doch eine ganze Weile, bis man von einem Ort zum anderen gelang.<br />
Betrat man das Büro, wurde man von einem grossen Raum empfangen, in welchem mehrere äusserst moderne Arbeitsplätze untergebracht waren. Nichts in der Inneneinrichtung war dem Zufall überlassen worden, man sah weder irgendwo einen Kabelsalat noch uralte Geräte. Die Einrichtung wirkte zeitlos, aber nicht steril, denn der grosszügige Raum wurde mit Pflanzen und Gemälden aufgelockert und die grossen Fensterfronten liessen eine Menge Licht herein. An der fensterlosen Seite gab es ein Sitzungszimmer, welches mit einer Glasfront versehen war. Selbstverständlich konnte man dieses Zimmer abdunkeln, aber die pikanten und wichtigen Gespräche führte Hagen in seinem eigenen Büro, welches am anderen Ende des grossen Büroraumes lag und dessen Tür geschlossen war.<br />
Hagens Büro war von Bodo Schwarz verwüstet worden, nachdem dieser mit seinem Freund und Hagens ehemaligen 'Sucher' zu Besuch gekommen war. Die Begegnung hatte unschön geendet. Hagen hatte von beiden je einen Faustschlag ins Gesicht erhalten und Bodo hatte sein Büro unter Wasser gesetzt. Seither hatte er von Lando nichts mehr gehört, egal wie sehr er sich bemühte, ihn ausfindig zu machen.<br />
Die Arbeit konnte dennoch nicht liegenbleiben und auch wenn Hagen mit der Schmach, die deutlich in seinem Gesicht zu sehen gewesen war, erst einmal alle persönlichen Termine abgesagt oder verschoben hatte, war er täglich ins Büro gekommen. Seine Angestellten hatten das erfahren, was er sie hatte wissen lassen. Nicht mehr und nicht weniger. Er hatte von einem Missverständnis gesprochen und einer übertriebenen Reaktion eines Mannes, der je nach Situation emotional reagierte (Bodo, den er aber namentlich nicht erwähnte).<br />
Trotz seiner Eitelkeit war er selbstbewusst genug, um sich nicht beschämt zu verkriechen. Er hatte die Blamage hingenommen und damit auch dafür gesorgt, dass er zu keinem Zeitpunkt geschwächt oder in seinem Selbstbewusstsein erschüttert wahrgenommen wurde. Denn das war er auch nie gewesen.<br />
Seine Arbeit erledigte er seither allerdings im Sitzungszimmer, wo ihn die Angestellten bei Lust und Laune durch die Glasfront beobachten konnten, aber nicht dabei erwischt werden wollten. Hagen war allerdings auch ein Geschäftsmann, der viel unterwegs war, und so kam es auch immer wieder vor, dass er stundenweise ausserhalb des Büros war.<br />
<br />
Heute hatte sich das Büro aber schon reichlich geleert. Sogar Frau Kling hatte sich vor wenigen Minuten verabschiedet, da sie noch einige Aufträge für Hagen zu erledigen hatte. Und deshalb befanden sich nur noch er und die Praktikantin Leah-Salome Wagner im Büro. Hagen hatte bisher kaum ein Wort mit der jungen Frau gesprochen, da es einfach keinen Grund gegeben hatte, das zu tun. Er wusste, wie sie hiess und wieso sie hier war, mehr kümmerte ihn aber nicht. Für die Ausbildungen der jungen Generationen waren andere zuständig und Hagen vertraute auf deren Professionalität und Urteilen.<br />
Dass es sich bei Frau Wagner nicht um irgendeinen Menschen handelte, war ihm allerdings nicht bewusst, genauso wenig wie sie wusste, dass Hagen schon über eintausend Jahre lebte.<br />
Alles, was sie über ihn wusste, stand im Firmenprofil, welches selbstverständlich alle paar Jahre angepasst wurde. Schliesslich sah Hagen, abgesehen von einigen Änderungen der Frisuren und Kleidungsstilen, seit des Karolingischen Zeitalters gleich jung oder alt aus.<br />
Ausserdem wusste Leah-Salome Wagner das um neunzehn Uhr noch Besuch erwartet wurde. Warum sie überhaupt noch anwesend war, wusste Hagen allerdings auch nicht. Ihr stand es frei, ihren Feierabend selbst festzulegen. Dafür durfte sie aber auch länger bleiben, wenn sie noch Projekte für die Schule professionell hier gestalten oder lernen wollte. Sie besass einen Schlüssel. Ein Badge. Wie jeder Mitarbeiter, der hier ein- und ausging.<br />
<br />
Hagen blickte von seinem Laptopbildschirm auf und sah aus der Glasfront direkt zu Leahs Arbeitsplatz. Sie war fleissig und lernwillig, soweit er wusste.<br />
Er klappte den Laptop zu, stand auf und öffnete dann die Tür des Sitzungszimmers. Er sah kurz erneut zu ihr und dann zur Tür. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Er verspätet sich."</span>, sagte er in einem sachlichen Ton, der nicht sofort erkennen liess, ob diese Feststellung lediglich eine Feststellung war oder ein Donnerwetter hinter sich herzog.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Hinter jedem Pendel schlägt ein Herz - aber nicht immer taktvoll]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1374.html</link>
			<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 21:51:07 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=300">Wookie</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://the-storyteller.eu/thread-1374.html</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">NOTKER LOTFRIED</span></div>
<br />
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Notker hatte sich das eigentlich sehr elegant vorgestellt. Doch wie so oft tangierten seine Vorstellungen die Realität in etwa so häufig, wie zwei Parallelen. Nämlich nie.<br />
Ein kleiner Schritt aus der Wohnung, ein konzentrierter Gedanke an „<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ruhige Seitengasse hinter der Buchhandlung</span>“, ein kleiner innerer Ruck – und zack, würde er würdevoll, unbeobachtet und halbwegs albenhaft ankommen. Ganz ohne Busfahren, ohne Smalltalk und ohne die Gefahr, jemandem erklären zu müssen, warum seine Jacke nach feuchter Pilzkultur, überreifem Apfelmost und einer Spur Lavendel roch. Teleportieren war schließlich etwas völlig Natürliches. Für Alben. Theoretisch.<br />
Praktisch vergaß Notker nur eine winzige Kleinigkeit:<br />
Er war noch ein wenig aufgewühlt.<br />
Und seine Gedanken waren… sagen wir: nicht akkurat beschriftet. Statt „<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ruhige Seitengasse hinter der Buchhandlung</span>“ formte sein überfordertes Gehirn offenbar etwas wie: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„ruhige, irgendwie bücherige Gasse, hauptsache wenig Menschen, und bitte nichts mit Hagen.“</span><br />
<br />
Das Universum nahm den Auftrag erstaunlich wörtlich.<br />
<br />
Der Übergang war wie immer: ein kurzes Ziehen im Magen, als würde jemand sehr bestimmt an seiner Seele zupfen, dann ein leises Plopp – und plötzlich stand Notker tatsächlich in einer Gasse.<br />
Nur leider nicht in der gewünschten.<br />
Er landete zwischen zwei riesigen Müllcontainern, direkt vor der Hintertür eines Asia-Restaurants und exakt in dem Moment, in dem ein Koch einen Eimer mit scharfem Kimchi-Sud ausschüttete.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Oh“</span>, machte Notker noch.<br />
Dann machte der Sud: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">schwapppp.</span><br />
Seine Cordjacke machte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">fftsch.</span><br />
Und Notker machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen beleidigtem Eichhörnchen und defekter Teekanne lag.<br />
<br />
Er stand da, stumm vor sich hintropfend, während ein völlig verdutzter Koch ihn anstarrte, als sei er soeben aus einer besonders fragwürdigen Frühlingsrolle geschlüpft.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Sie… sind einfach aufgetaucht“</span>, sagte der Mann langsam. Notker nickte betreten.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ja. Das… äh… passiert mir manchmal.“</span><br />
Ein Kohlblatt rutschte wie in Zeitlupte von seiner Schulter. Der verdutzte Koch starrte es an, bis es mit einem traurigen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Flatsch</span> auf dem Boden landete. Als der Blick des Mannes wieder zu dem Alben glitt, schenkte Notker ihm ein verständnisvolles Lächeln.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich empfehle das Blatt zu kompostieren. Es ist harmlos. Einen schönen Tag noch.“</span><br />
Damit ließ er den Koch stehen und verschwand um die nächste Ecke.<br />
<br />
Ein wenig ziellos und mit sehr intensivem Duftprofil wanderte er durch die Innenstadt von Quedlinburg, um erstmal seinen Kopf wieder frei zu bekommen. Gedankenverlorenes Teleportieren erwies sich als ausgesprochen unzuverlässige Fortbewegungsmethode und Notker nahm sich fest vor, das so bald nicht mehr auszuprobieren. Gleichzeitig wusste er, dass dieser Vorsatz nicht von Dauer sein würde und er ihn spätestens dann vergessen haben würde, wenn ihm einfiel, was er noch Dringendes zu Erledigen hatte – was recht häufig der Fall war, denn wie konnte man auch erwarten, dass man sich an <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ALLES</span> erinnerte?<br />
Nachdem er sich also erfolgreich nicht teleportiert, sondern ganz altmodisch zu Fuß verlaufen hatte, landete er schließlich in einer Gegend, die ihm angenehm bekannt vorkam.<br />
<br />
Direkt gegenüber eines schnuckeligen Pfannkuchencafés, das er regelmäßig mit Jakob frequentierte, fand sich gedrängt zwischen den anderen Fachwerkhäusern der kleine Esoterikladen, den Notker schon immer bemerkt, aber bislang aus gesunder Skepsis noch nicht besucht hatte.<br />
Jakob hatte ihn mal dort hineinschleifen wollen („Nur kurz reinschauen, Notker, ich brauch ein neues Pendel!“), allerdings hatte Jakob sich dann mit einer korpulenten Frau im Batik-Look in eine hitzige Diskussion über Mondphasen und Chakra-Reinigung verwickeln lassen, während Notker verzweifelt versuchte, so zu tun, als gehöre er nicht dazu. Als die Dame schließlich wutschnaubend abgedampft war, weil sein Freund ihr geraten hatte, sie könne ihre Mondphasen auch einfach im Kalender nachschlagen, statt sie emotional nachzuspielen, hatte der Laden bereits geschlossen und das Thema war erstmal erledigt.<br />
<br />
Doch nun hatte sich ein ausgesprochen drängender Umstand ergeben, der Notker gewissermaßen mit sanftem, aber unerbittlichem Druck in Richtung dieses sonderbaren Ladens schob. Diesmal war es ausnahmsweise nicht die botanische Neugier, die ihn antrieb – obwohl ihn selbstverständlich seit jeher beschäftigte, ob dort tatsächlich brauchbare magische Pflanzen feilgeboten wurden oder lediglich etwas übermotivierte Küchenkräuter. Nein, der wahre Grund war weitaus heikler: Er benötigte ein möglichst friedensstiftendes, möglichst unverfängliches und hoffentlich halbwegs geschmackvolles spirituelles Mitbringsel, um eine gewisse äußerst sensible Waldnymphe wieder milde zu stimmen – ohne ihr direkt oder indirekt einen Heiratsantrag zu machen. Und das möglichst zügig. Schließlich hatte er – bildlich gesprochen, aber durchaus spürbar – zusätzlich noch einen sehr beharrlichen Alb im Nacken sitzen.<br />
<br />
Als Notker den Laden betrat, begrüßte ihn das Mobile über der Tür mit einem trockenen Klappern. Ein feiner Duft aus Kräutern, Räucherwerk und etwas, das nach Erde und alten Geheimnissen roch, stieg ihm in die Nase. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Nicht unangenehm. Ein gutes Zeichen!<br />
Er blieb einen Moment stehen, um die Atmosphäre des Ladens auf sich wirken zu lassen. Er schien eine unwirkliche Mischung aus esoterisch aufgeladenem Niemandsland und Schatzkiste voller ungeahnter neuer botanischer Entdeckungen betreten zu haben, untermalt von dem sanften Knarren alter Holzbohlen.<br />
<br />
Mit vorsichtig wachsender Neugier ließ er die Augen über die erste Reihe von Regalen schweifen. Gleich rechts am Eingang, neben einem Korb mit diversen Ölen, glänzten hölzerne Totenköpfe an Spazierstöcken im Licht einer Ölfunzel um die Wette. Sicherlich kein sinnvolles Geschenk für ein Wesen, das sich die Mooshaare mit Rosenwasser pafümierte, befand Notker. Kopfschüttelnd bahnte er sich seinen Weg vorbei an den merkwürdigen Stücken.<br />
Sein Blick wanderte weiter. Puppen in jeglicher Form und Größe auf dem Thresen – er konnte nicht genau sagen, ob sie freundlich oder leicht beleidigt dreinsahen, vermutlich beides. Daneben Räucherwerk, ordentlich sortiert und mit Duftproben: Beifuß, Salbei, Mistel, Johanniskraut. Notker schnupperte vorsichtig. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ah! Getrocknete Eisenkrautbündel in guter Qualität! Und echter Beifuß, nicht dieses gepanschte Supermarktzeug!“</span>. Seine Laune hob sich sichtlich.<br />
Doch die Kräuter, das Rauchwerk und die unzähligen Steine in allen Farben, Formen und Größen ließ Notker zu seinem eigenen Leidwesen schnell links liegen - mit dem Versprechen, sich später nochmal eingehender damit zu beschäftigen, sobald er ein Geschenk für die Waldnymphe gefunden hatte.<br />
Gerade bei Naturmaterialien war sich Notker ihrer Bedeutung zu unsicher, als dass er es riskiert hätte, der Nymphe nicht doch wieder eine ungewollte Liebesbotschaft zu schicken.<br />
<br />
Notkers Füße trugen ihn langsam tiefer in den Laden. Seine Augen huschten über die Kessel, Wurzeln und Athamen mit gewellten Klingen.<br />
Er spürte, wie sein Herz schneller schlug – nicht aus Angst, sondern aus einer Mischung aus Faszination und der leisen Panik, dass ihm jeder falsche Griff eine diplomatische Krise bescheren könnte.<br />
Noch ein Schritt vorwärts, ein vorsichtiges Nicken zu einem hübsch beschrifteten Kräuterbeutel: <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Vielleicht. Ja, vielleicht.“</span><br />
Und schon begann sein Kopf zu summen und das komplette Inventar in zwei Kategorien einzuteilen: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">brauchbar, das muss ich mir unbedingt noch genauer anschauen vs. Hokuspokus in hübscher Verpackung und höchstens als Weihnachtsgeschenk für unliebsame Verwandtschaft tauglich.</span></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">NOTKER LOTFRIED</span></div>
<br />
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Notker hatte sich das eigentlich sehr elegant vorgestellt. Doch wie so oft tangierten seine Vorstellungen die Realität in etwa so häufig, wie zwei Parallelen. Nämlich nie.<br />
Ein kleiner Schritt aus der Wohnung, ein konzentrierter Gedanke an „<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ruhige Seitengasse hinter der Buchhandlung</span>“, ein kleiner innerer Ruck – und zack, würde er würdevoll, unbeobachtet und halbwegs albenhaft ankommen. Ganz ohne Busfahren, ohne Smalltalk und ohne die Gefahr, jemandem erklären zu müssen, warum seine Jacke nach feuchter Pilzkultur, überreifem Apfelmost und einer Spur Lavendel roch. Teleportieren war schließlich etwas völlig Natürliches. Für Alben. Theoretisch.<br />
Praktisch vergaß Notker nur eine winzige Kleinigkeit:<br />
Er war noch ein wenig aufgewühlt.<br />
Und seine Gedanken waren… sagen wir: nicht akkurat beschriftet. Statt „<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ruhige Seitengasse hinter der Buchhandlung</span>“ formte sein überfordertes Gehirn offenbar etwas wie: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„ruhige, irgendwie bücherige Gasse, hauptsache wenig Menschen, und bitte nichts mit Hagen.“</span><br />
<br />
Das Universum nahm den Auftrag erstaunlich wörtlich.<br />
<br />
Der Übergang war wie immer: ein kurzes Ziehen im Magen, als würde jemand sehr bestimmt an seiner Seele zupfen, dann ein leises Plopp – und plötzlich stand Notker tatsächlich in einer Gasse.<br />
Nur leider nicht in der gewünschten.<br />
Er landete zwischen zwei riesigen Müllcontainern, direkt vor der Hintertür eines Asia-Restaurants und exakt in dem Moment, in dem ein Koch einen Eimer mit scharfem Kimchi-Sud ausschüttete.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Oh“</span>, machte Notker noch.<br />
Dann machte der Sud: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">schwapppp.</span><br />
Seine Cordjacke machte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">fftsch.</span><br />
Und Notker machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen beleidigtem Eichhörnchen und defekter Teekanne lag.<br />
<br />
Er stand da, stumm vor sich hintropfend, während ein völlig verdutzter Koch ihn anstarrte, als sei er soeben aus einer besonders fragwürdigen Frühlingsrolle geschlüpft.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Sie… sind einfach aufgetaucht“</span>, sagte der Mann langsam. Notker nickte betreten.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ja. Das… äh… passiert mir manchmal.“</span><br />
Ein Kohlblatt rutschte wie in Zeitlupte von seiner Schulter. Der verdutzte Koch starrte es an, bis es mit einem traurigen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Flatsch</span> auf dem Boden landete. Als der Blick des Mannes wieder zu dem Alben glitt, schenkte Notker ihm ein verständnisvolles Lächeln.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich empfehle das Blatt zu kompostieren. Es ist harmlos. Einen schönen Tag noch.“</span><br />
Damit ließ er den Koch stehen und verschwand um die nächste Ecke.<br />
<br />
Ein wenig ziellos und mit sehr intensivem Duftprofil wanderte er durch die Innenstadt von Quedlinburg, um erstmal seinen Kopf wieder frei zu bekommen. Gedankenverlorenes Teleportieren erwies sich als ausgesprochen unzuverlässige Fortbewegungsmethode und Notker nahm sich fest vor, das so bald nicht mehr auszuprobieren. Gleichzeitig wusste er, dass dieser Vorsatz nicht von Dauer sein würde und er ihn spätestens dann vergessen haben würde, wenn ihm einfiel, was er noch Dringendes zu Erledigen hatte – was recht häufig der Fall war, denn wie konnte man auch erwarten, dass man sich an <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ALLES</span> erinnerte?<br />
Nachdem er sich also erfolgreich nicht teleportiert, sondern ganz altmodisch zu Fuß verlaufen hatte, landete er schließlich in einer Gegend, die ihm angenehm bekannt vorkam.<br />
<br />
Direkt gegenüber eines schnuckeligen Pfannkuchencafés, das er regelmäßig mit Jakob frequentierte, fand sich gedrängt zwischen den anderen Fachwerkhäusern der kleine Esoterikladen, den Notker schon immer bemerkt, aber bislang aus gesunder Skepsis noch nicht besucht hatte.<br />
Jakob hatte ihn mal dort hineinschleifen wollen („Nur kurz reinschauen, Notker, ich brauch ein neues Pendel!“), allerdings hatte Jakob sich dann mit einer korpulenten Frau im Batik-Look in eine hitzige Diskussion über Mondphasen und Chakra-Reinigung verwickeln lassen, während Notker verzweifelt versuchte, so zu tun, als gehöre er nicht dazu. Als die Dame schließlich wutschnaubend abgedampft war, weil sein Freund ihr geraten hatte, sie könne ihre Mondphasen auch einfach im Kalender nachschlagen, statt sie emotional nachzuspielen, hatte der Laden bereits geschlossen und das Thema war erstmal erledigt.<br />
<br />
Doch nun hatte sich ein ausgesprochen drängender Umstand ergeben, der Notker gewissermaßen mit sanftem, aber unerbittlichem Druck in Richtung dieses sonderbaren Ladens schob. Diesmal war es ausnahmsweise nicht die botanische Neugier, die ihn antrieb – obwohl ihn selbstverständlich seit jeher beschäftigte, ob dort tatsächlich brauchbare magische Pflanzen feilgeboten wurden oder lediglich etwas übermotivierte Küchenkräuter. Nein, der wahre Grund war weitaus heikler: Er benötigte ein möglichst friedensstiftendes, möglichst unverfängliches und hoffentlich halbwegs geschmackvolles spirituelles Mitbringsel, um eine gewisse äußerst sensible Waldnymphe wieder milde zu stimmen – ohne ihr direkt oder indirekt einen Heiratsantrag zu machen. Und das möglichst zügig. Schließlich hatte er – bildlich gesprochen, aber durchaus spürbar – zusätzlich noch einen sehr beharrlichen Alb im Nacken sitzen.<br />
<br />
Als Notker den Laden betrat, begrüßte ihn das Mobile über der Tür mit einem trockenen Klappern. Ein feiner Duft aus Kräutern, Räucherwerk und etwas, das nach Erde und alten Geheimnissen roch, stieg ihm in die Nase. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Nicht unangenehm. Ein gutes Zeichen!<br />
Er blieb einen Moment stehen, um die Atmosphäre des Ladens auf sich wirken zu lassen. Er schien eine unwirkliche Mischung aus esoterisch aufgeladenem Niemandsland und Schatzkiste voller ungeahnter neuer botanischer Entdeckungen betreten zu haben, untermalt von dem sanften Knarren alter Holzbohlen.<br />
<br />
Mit vorsichtig wachsender Neugier ließ er die Augen über die erste Reihe von Regalen schweifen. Gleich rechts am Eingang, neben einem Korb mit diversen Ölen, glänzten hölzerne Totenköpfe an Spazierstöcken im Licht einer Ölfunzel um die Wette. Sicherlich kein sinnvolles Geschenk für ein Wesen, das sich die Mooshaare mit Rosenwasser pafümierte, befand Notker. Kopfschüttelnd bahnte er sich seinen Weg vorbei an den merkwürdigen Stücken.<br />
Sein Blick wanderte weiter. Puppen in jeglicher Form und Größe auf dem Thresen – er konnte nicht genau sagen, ob sie freundlich oder leicht beleidigt dreinsahen, vermutlich beides. Daneben Räucherwerk, ordentlich sortiert und mit Duftproben: Beifuß, Salbei, Mistel, Johanniskraut. Notker schnupperte vorsichtig. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ah! Getrocknete Eisenkrautbündel in guter Qualität! Und echter Beifuß, nicht dieses gepanschte Supermarktzeug!“</span>. Seine Laune hob sich sichtlich.<br />
Doch die Kräuter, das Rauchwerk und die unzähligen Steine in allen Farben, Formen und Größen ließ Notker zu seinem eigenen Leidwesen schnell links liegen - mit dem Versprechen, sich später nochmal eingehender damit zu beschäftigen, sobald er ein Geschenk für die Waldnymphe gefunden hatte.<br />
Gerade bei Naturmaterialien war sich Notker ihrer Bedeutung zu unsicher, als dass er es riskiert hätte, der Nymphe nicht doch wieder eine ungewollte Liebesbotschaft zu schicken.<br />
<br />
Notkers Füße trugen ihn langsam tiefer in den Laden. Seine Augen huschten über die Kessel, Wurzeln und Athamen mit gewellten Klingen.<br />
Er spürte, wie sein Herz schneller schlug – nicht aus Angst, sondern aus einer Mischung aus Faszination und der leisen Panik, dass ihm jeder falsche Griff eine diplomatische Krise bescheren könnte.<br />
Noch ein Schritt vorwärts, ein vorsichtiges Nicken zu einem hübsch beschrifteten Kräuterbeutel: <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Vielleicht. Ja, vielleicht.“</span><br />
Und schon begann sein Kopf zu summen und das komplette Inventar in zwei Kategorien einzuteilen: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">brauchbar, das muss ich mir unbedingt noch genauer anschauen vs. Hokuspokus in hübscher Verpackung und höchstens als Weihnachtsgeschenk für unliebsame Verwandtschaft tauglich.</span></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Besuchsfreude über Nacht]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1372.html</link>
			<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 16:53:58 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=71">Rain</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://the-storyteller.eu/thread-1372.html</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Jordan</span></div>
<br />
Jordan parkte den Wagen sicher auf dem Parkplatz, den Hagen ihm genannt hatte. Pflichtbewusst (und fahrbegeistert) wie er war, hatte er sämtliche Fürsorgebedürfnisse natürlich vollkommen ernst genommen und darauf bestanden, Hagen wieder nach Hause zu bringen. Inklusive der Einwilligung nur allzu gerne die Nacht bei ihm zu verbringen. Wie könnte man bei so einem reizvollen Angebot auch nein sagen? Normalerweise schätzte Jordan seine Routinen und Abläufe, aber so wie er selbst Hagen manchmal an sein Privatleben erinnerte, machte der Albe ihm wiederum bewusst, dass nicht alles immer so vonstattengehen musste, wie es das die letzten Jahre und Jahrzehnte gegangen war.<br />
Und so wusste auch ein Jahrtausende alter Wassergeist das Leben zu genießen und sich an dem Prickeln zwischen Hagen und ihm immer wieder aufs Neue zu erfreuen.<br />
<br />
„Du solltest überlegen, ob du die Person, die dich reitet, nicht doch auch zu deinem Teilzeit-Chauffeur machen solltest“, gab er mit einem lässigen Grinsen zu bedenken, beugte sich noch vor einer Antwort jedoch vor und küsste Hagen, bevor sie beide das Auto verließen.<br />
Das wurde niemals uninteressant. Vor dem Besuch des Photoautomaten hatten sie bereits Küsse ausgetauscht, vorsichtig und behutsam, um Hagens Gesicht nicht noch mehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Und genauso sanft berührten seine Lippen Hagens Mund auch jetzt. Jordan hatte diesbezüglich kein Schamgefühl, denn es gab nichts, was ihnen beiden unangenehm sein musste. Jordans Familie würde das hier zwar nicht verstehen, aber letztendlich doch akzeptieren. Trotz aller Spannungen und Differenzen. Die auch Jordan nach wie vor nicht ignorierte. Aber zwischen ihnen war eben noch mehr.<br />
„Es ist auf jeden Fall mehr als sinnvoll, dich heute Nacht noch unter Beobachtung zu stellen“, griff er das Witzeln über Hagens Zustand vorhin noch auf. Letztendlich hatte er natürlich schlicht Lust, weiter Zeit mit ihm zu verbringen. Und sie mussten ja ohnehin auch noch die Photos sichten.<br />
<br />
Natürlich erlaubte er sich zum letzten Mal für heute den Spaß, Hagen galant die Tür aufzuhalten, nachdem er die Bilder vom Rücksitz genommen hatte. Auch das wurde nicht langweilig.<br />
„Beim nächsten Mal fahren wir ein anderes deiner Autos, ja?“ Jordan lächelte vergnügt. Das war sicherlich übertriebener Luxus von Hagens Seite aus, aber Jordan wusste sich damit zu arrangieren. Denn letztendlich war es noch immer schlicht spannend, verschiedene Dinge auszuprobieren.<br />
„Nimmst du mich heute die Treppe mit hoch oder muss ich mir einen anderen Weg suchen?“ Er schmunzelte und spielte nur allzu gerne immer wieder darauf an, dass Hagen sich unter seiner Dusche niemals mehr alleine fühlen konnte. Zumindest nicht, solange er sich etwaige Überraschungen nicht verbat, in diesem Falle würde Jordan selbstverständlich die Grenzen wahren.<br />
Allerdings wussten sie wohl beide, dass Hagen nicht so leichtsinnig wäre sich selbst um seinen eigenen Spaß zu bringen.<br />
<br />
In der Wohnung angekommen, bewegte Jordan sich mit einer Sicherheit durch die Räume, die bereits verriet, dass er nicht zum ersten Mal hier war.<br />
„Soll ich uns etwas zu trinken machen?“ Die Bilder fanden zunächst ihren Weg auf die Anrichte.<br />
Irgendwann würde er Hagen auch zu sich in die Mühle einladen. Über Nacht. So richtig. In sein Schlafzimmer. Zumindest, wenn es so weiter zwischen ihnen lief wie bisher. Aber derzeit hatte Jordan keinen Grund daran zu zweifeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Jordan</span></div>
<br />
Jordan parkte den Wagen sicher auf dem Parkplatz, den Hagen ihm genannt hatte. Pflichtbewusst (und fahrbegeistert) wie er war, hatte er sämtliche Fürsorgebedürfnisse natürlich vollkommen ernst genommen und darauf bestanden, Hagen wieder nach Hause zu bringen. Inklusive der Einwilligung nur allzu gerne die Nacht bei ihm zu verbringen. Wie könnte man bei so einem reizvollen Angebot auch nein sagen? Normalerweise schätzte Jordan seine Routinen und Abläufe, aber so wie er selbst Hagen manchmal an sein Privatleben erinnerte, machte der Albe ihm wiederum bewusst, dass nicht alles immer so vonstattengehen musste, wie es das die letzten Jahre und Jahrzehnte gegangen war.<br />
Und so wusste auch ein Jahrtausende alter Wassergeist das Leben zu genießen und sich an dem Prickeln zwischen Hagen und ihm immer wieder aufs Neue zu erfreuen.<br />
<br />
„Du solltest überlegen, ob du die Person, die dich reitet, nicht doch auch zu deinem Teilzeit-Chauffeur machen solltest“, gab er mit einem lässigen Grinsen zu bedenken, beugte sich noch vor einer Antwort jedoch vor und küsste Hagen, bevor sie beide das Auto verließen.<br />
Das wurde niemals uninteressant. Vor dem Besuch des Photoautomaten hatten sie bereits Küsse ausgetauscht, vorsichtig und behutsam, um Hagens Gesicht nicht noch mehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Und genauso sanft berührten seine Lippen Hagens Mund auch jetzt. Jordan hatte diesbezüglich kein Schamgefühl, denn es gab nichts, was ihnen beiden unangenehm sein musste. Jordans Familie würde das hier zwar nicht verstehen, aber letztendlich doch akzeptieren. Trotz aller Spannungen und Differenzen. Die auch Jordan nach wie vor nicht ignorierte. Aber zwischen ihnen war eben noch mehr.<br />
„Es ist auf jeden Fall mehr als sinnvoll, dich heute Nacht noch unter Beobachtung zu stellen“, griff er das Witzeln über Hagens Zustand vorhin noch auf. Letztendlich hatte er natürlich schlicht Lust, weiter Zeit mit ihm zu verbringen. Und sie mussten ja ohnehin auch noch die Photos sichten.<br />
<br />
Natürlich erlaubte er sich zum letzten Mal für heute den Spaß, Hagen galant die Tür aufzuhalten, nachdem er die Bilder vom Rücksitz genommen hatte. Auch das wurde nicht langweilig.<br />
„Beim nächsten Mal fahren wir ein anderes deiner Autos, ja?“ Jordan lächelte vergnügt. Das war sicherlich übertriebener Luxus von Hagens Seite aus, aber Jordan wusste sich damit zu arrangieren. Denn letztendlich war es noch immer schlicht spannend, verschiedene Dinge auszuprobieren.<br />
„Nimmst du mich heute die Treppe mit hoch oder muss ich mir einen anderen Weg suchen?“ Er schmunzelte und spielte nur allzu gerne immer wieder darauf an, dass Hagen sich unter seiner Dusche niemals mehr alleine fühlen konnte. Zumindest nicht, solange er sich etwaige Überraschungen nicht verbat, in diesem Falle würde Jordan selbstverständlich die Grenzen wahren.<br />
Allerdings wussten sie wohl beide, dass Hagen nicht so leichtsinnig wäre sich selbst um seinen eigenen Spaß zu bringen.<br />
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In der Wohnung angekommen, bewegte Jordan sich mit einer Sicherheit durch die Räume, die bereits verriet, dass er nicht zum ersten Mal hier war.<br />
„Soll ich uns etwas zu trinken machen?“ Die Bilder fanden zunächst ihren Weg auf die Anrichte.<br />
Irgendwann würde er Hagen auch zu sich in die Mühle einladen. Über Nacht. So richtig. In sein Schlafzimmer. Zumindest, wenn es so weiter zwischen ihnen lief wie bisher. Aber derzeit hatte Jordan keinen Grund daran zu zweifeln.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Frühstückspause]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1371.html</link>
			<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 16:22:34 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=71">Rain</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://the-storyteller.eu/thread-1371.html</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Lando Scherer</span></div>
<br />
Seit Lando und Hagen sich das letzte Mal gesehen hatten, war Einiges passiert. Das letzte Treffen hatte Lando schließlich doch zügig beendet, war gewillt gewesen es zu versuchen und doch damit gescheitert, so zu tun als wäre nun alles in Ordnung, weil Hagen ihn mit Essen überhäufte, Ärzte sowie Kunst empfahl und einfach verdammt noch mal so sehr Hagen war, dass es Lando regelrecht erstickte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Die Welt ist kein Ort für Fairness.</span><br />
Dieser Satz war aus Hagens Mund gekommen und hatte dafür gesorgt, dass Lando der ohnehin nur moderate Appetit doch gänzlich vergangen war.  Dabei hätte ihn unter normalen Umständen sogar interessiert, wen Hagen kennengelernt hatte. Oder besser ausgedrückt: wer diesen Alben überhaupt aushielt! Aber Neugierde war neuem Frust gewichen, denn unfair behandelt fühlte Lando sich noch immer. Verraten und betrogen, wenn man es genau nahm.<br />
Auch wenn er damit vielleicht ein bisschen übertrieb, vermochte er aktuell doch gar nicht anders zu handeln. Und so hatte er auch die Frage danach, was an Bodo so besonders war, bisher nicht beantworten können, denn die Antwort hätte ohnehin nur <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Alles</span> gelautet und Hagen sich niemals damit abspeisen lassen.<br />
<br />
Die nächste Zeit war Lando dann so sehr mit den neuen Lebensumständen seines besten Freundes beschäftigt gewesen, dass nicht mehr viel Zeit für Gedanken an Hagen geblieben waren. Er hatte dem inzwischen auch Wassermann unter die Arme gegriffen und versucht eine Hilfe zu sein. Was letztendlich in einem Bad inklusive Kuss in der Bode geendet war.<br />
Wobei Hagen sie erwischt hatte.<br />
Nicht, dass Lando sich schämte. Aber es war doch irgendwie typisch gewesen, dass der geschäftstüchtige Albe sich nun doch wieder in sein Leben drängte.<br />
Sie hatten an diesem Tag nicht mehr miteinander gesprochen und doch erinnerte das Intermezzo Lando zumindest daran, dass da noch etwas Ungeklärtes war.<br />
<br />
Eine ganze Weile ignorierte Lando diesen Umstand noch. Hagen konnte nichts daran ändern und ihn nicht finden. Nicht in seinem Zuhause zumindest, denn Lando lebte inzwischen bei Bodo. Genauso wenig wie es Lando entging, womit Bodo sich so quälte, konnte er jenem vorenthalten, dass ihn das mit Hagen doch noch immer beschäftigte. Und letztenlich war es sogar Bodo selbst, obwohl er Hagen nicht besonders schätzte, der Lando immer wieder dazu anhielt, diese Baustelle doch mal in Angriff zu nehmen.<br />
<br />
Und da Lando kaum von Bodo erwarten konnte, sich an alle neuen Umstände zu gewöhnen, während er selbst noch immer eine Lösung oder wenigstens ein abschließendes Gespräch verweigerte, war es schließlich Lando, der Hagen nach seinem eigenen Nachtdienstende in dessen Büro aufsuchte. Alleine schon um sicherzugehen, dass Hagen nicht irgendwann Selbiges bei ihm auf der Arbeit tat. Und weil er zu würdigen wusste, dass der andere Albe ihm ein wenig Freiraum gewährt hatte. Ob aus Frust oder Einsicht heraus war ihm da im ersten Moment sogar noch egal.<br />
<br />
Lando quittierte das mit mitgebrachten, belegten Brötchen. Er übertrieb nun nicht direkt mit einem fünf-Gänge-Menü, das war immerhin vielmehr Hagens Stil als sein eigener. Aber zumindest hatte er etwas dabei, als er Frau Kling mit seinem Auftreten dann doch nervös machte, wohl weil sie an das letzte Mal dachte, wo Bodo und Lando hier gewesen waren.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich bringe Hagen nur seine Brötchenlieferung“</span>, meinte Lando schließlich genervt, als sie ihn partout nicht durchlassen wollte. Gut, irgendwie war das wohl auch verständlich. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich tue ihm auch nicht weh.“</span> Nun ja, Stand jetzt zumindest. Das kam natürlich jetzt auch ein bisschen darauf an, wie Hagen sich verhielt. Zumindest konnte Lando sich mit diesem Gedanken doch etwas beruhigen. Denn das hier fühlte sich merkwürdig an. Die Freundschaft zwischen ihnen hatte einen Knacks bekommen und war doch noch zu wichtig, um sie komplett im Sande verlaufen zu lassen. Außerdem bereitete ihm die Vorstellung, Hagen nun vielleicht von etwas Pseudowichtigem abzuhalten, doch etwas zu viel Freude in diesem Moment.<br />
<br />
Lando setzte sich dann auch in einen Wartebereich, während Frau Kling Hagen endlich darüber informierte, dass er zugegen war. Alles in diesem Gebäude schien Lando dabei übertrieben dekadent. Von Bodo geflutet hatten diese Räumlichkeiten doch mehr hergemacht.<br />
Ob Hagen ihn überhaupt noch mal in sein Büro ließ? Oder würde er ihn hier abfertigen? Lando käme mit beidem zurecht. Vielleicht hatte ja auch Hagen selbst inzwischen beschlossen, dass ihm das alles zu blöd wurde. Aber dann wären sie zumindest nicht albern im Disput ohne danach je wieder miteinander gesprochen zu haben auseinander gegangen. Das war wohl nur sinnvoll im Hinblick darauf, dass sie beide noch eine ganze Weile in Quedlinburg bleiben würden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Lando Scherer</span></div>
<br />
Seit Lando und Hagen sich das letzte Mal gesehen hatten, war Einiges passiert. Das letzte Treffen hatte Lando schließlich doch zügig beendet, war gewillt gewesen es zu versuchen und doch damit gescheitert, so zu tun als wäre nun alles in Ordnung, weil Hagen ihn mit Essen überhäufte, Ärzte sowie Kunst empfahl und einfach verdammt noch mal so sehr Hagen war, dass es Lando regelrecht erstickte.<br />
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<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Die Welt ist kein Ort für Fairness.</span><br />
Dieser Satz war aus Hagens Mund gekommen und hatte dafür gesorgt, dass Lando der ohnehin nur moderate Appetit doch gänzlich vergangen war.  Dabei hätte ihn unter normalen Umständen sogar interessiert, wen Hagen kennengelernt hatte. Oder besser ausgedrückt: wer diesen Alben überhaupt aushielt! Aber Neugierde war neuem Frust gewichen, denn unfair behandelt fühlte Lando sich noch immer. Verraten und betrogen, wenn man es genau nahm.<br />
Auch wenn er damit vielleicht ein bisschen übertrieb, vermochte er aktuell doch gar nicht anders zu handeln. Und so hatte er auch die Frage danach, was an Bodo so besonders war, bisher nicht beantworten können, denn die Antwort hätte ohnehin nur <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Alles</span> gelautet und Hagen sich niemals damit abspeisen lassen.<br />
<br />
Die nächste Zeit war Lando dann so sehr mit den neuen Lebensumständen seines besten Freundes beschäftigt gewesen, dass nicht mehr viel Zeit für Gedanken an Hagen geblieben waren. Er hatte dem inzwischen auch Wassermann unter die Arme gegriffen und versucht eine Hilfe zu sein. Was letztendlich in einem Bad inklusive Kuss in der Bode geendet war.<br />
Wobei Hagen sie erwischt hatte.<br />
Nicht, dass Lando sich schämte. Aber es war doch irgendwie typisch gewesen, dass der geschäftstüchtige Albe sich nun doch wieder in sein Leben drängte.<br />
Sie hatten an diesem Tag nicht mehr miteinander gesprochen und doch erinnerte das Intermezzo Lando zumindest daran, dass da noch etwas Ungeklärtes war.<br />
<br />
Eine ganze Weile ignorierte Lando diesen Umstand noch. Hagen konnte nichts daran ändern und ihn nicht finden. Nicht in seinem Zuhause zumindest, denn Lando lebte inzwischen bei Bodo. Genauso wenig wie es Lando entging, womit Bodo sich so quälte, konnte er jenem vorenthalten, dass ihn das mit Hagen doch noch immer beschäftigte. Und letztenlich war es sogar Bodo selbst, obwohl er Hagen nicht besonders schätzte, der Lando immer wieder dazu anhielt, diese Baustelle doch mal in Angriff zu nehmen.<br />
<br />
Und da Lando kaum von Bodo erwarten konnte, sich an alle neuen Umstände zu gewöhnen, während er selbst noch immer eine Lösung oder wenigstens ein abschließendes Gespräch verweigerte, war es schließlich Lando, der Hagen nach seinem eigenen Nachtdienstende in dessen Büro aufsuchte. Alleine schon um sicherzugehen, dass Hagen nicht irgendwann Selbiges bei ihm auf der Arbeit tat. Und weil er zu würdigen wusste, dass der andere Albe ihm ein wenig Freiraum gewährt hatte. Ob aus Frust oder Einsicht heraus war ihm da im ersten Moment sogar noch egal.<br />
<br />
Lando quittierte das mit mitgebrachten, belegten Brötchen. Er übertrieb nun nicht direkt mit einem fünf-Gänge-Menü, das war immerhin vielmehr Hagens Stil als sein eigener. Aber zumindest hatte er etwas dabei, als er Frau Kling mit seinem Auftreten dann doch nervös machte, wohl weil sie an das letzte Mal dachte, wo Bodo und Lando hier gewesen waren.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich bringe Hagen nur seine Brötchenlieferung“</span>, meinte Lando schließlich genervt, als sie ihn partout nicht durchlassen wollte. Gut, irgendwie war das wohl auch verständlich. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich tue ihm auch nicht weh.“</span> Nun ja, Stand jetzt zumindest. Das kam natürlich jetzt auch ein bisschen darauf an, wie Hagen sich verhielt. Zumindest konnte Lando sich mit diesem Gedanken doch etwas beruhigen. Denn das hier fühlte sich merkwürdig an. Die Freundschaft zwischen ihnen hatte einen Knacks bekommen und war doch noch zu wichtig, um sie komplett im Sande verlaufen zu lassen. Außerdem bereitete ihm die Vorstellung, Hagen nun vielleicht von etwas Pseudowichtigem abzuhalten, doch etwas zu viel Freude in diesem Moment.<br />
<br />
Lando setzte sich dann auch in einen Wartebereich, während Frau Kling Hagen endlich darüber informierte, dass er zugegen war. Alles in diesem Gebäude schien Lando dabei übertrieben dekadent. Von Bodo geflutet hatten diese Räumlichkeiten doch mehr hergemacht.<br />
Ob Hagen ihn überhaupt noch mal in sein Büro ließ? Oder würde er ihn hier abfertigen? Lando käme mit beidem zurecht. Vielleicht hatte ja auch Hagen selbst inzwischen beschlossen, dass ihm das alles zu blöd wurde. Aber dann wären sie zumindest nicht albern im Disput ohne danach je wieder miteinander gesprochen zu haben auseinander gegangen. Das war wohl nur sinnvoll im Hinblick darauf, dass sie beide noch eine ganze Weile in Quedlinburg bleiben würden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Café-Eröffnung & Wiedersehen]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1370.html</link>
			<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 15:24:05 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=71">Rain</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://the-storyteller.eu/thread-1370.html</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Freya</span></div>
<br />
Zu sagen, dass Freya aufgeregt war, wäre noch übertrieben. Sie war regelrecht aus dem Häuschen, auch wenn sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Aber das hier war eine große Sache und sie wollte es nicht in den Sand setzen. Nicht nur, weil sie es anderen angekündigt hatte, sondern weil es ihr selbst wichtig war, dass ihr Projekt funktionierte und sich nicht im Nachhinein herausstellte, dass sie sich doch übernommen hatte. Trotz all dem, was sich bei ihr über die Café-Planung hinaus noch so tat, denn auch mit ihrer neu entdeckten Magie musste sie sich nahezu tagtäglich beschäftigen. Viel Zeit zum Durchatmen blieb ihr daher aktuell nicht, aber das war auch in Ordnung für sie.<br />
<br />
Gestern, an Karfreitag, hatte sie das erste Mal für den Publikumsverkehr offengehabt. Keine große Party oder dergleichen, das wäre ohnehin an diesem österlichen Feiertag verboten gewesen. Sondern schlicht ein erstes Fühlerausstrecken, wie sich der Ablauf so gestaltete, wenn die ersten Kunden hereinkamen. Ein paar waren es gewesen, auch Freunde und Familie, so dass sie die ersten Interaktionen hatte üben und geplante Vorgehensweisen ausprobieren und stellenweise bereits anpassen können.<br />
Das war eine gute Vorgehensweise gewesen, denn ohne großes Opening hatten sich nicht zu viele Leute eingefunden und auch die begrenzte Anzahl an Mobiliar sorgte dafür, dass es nicht zu viele Leute auf einmal werden konnten, die sie zu bewirten hatte. Aber die Details würden sich nach und nach noch einfinden.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Freyas Stübchen</span> war hell eingerichtet, weiße und cremefarbene Wände, Pastelltöne in den Bildern, getrocknete Blumen an den Wänden, Frühlings- und Osterdekoration auf den Tischen. Der Gastbereich sollte bereits eine gewisse Gemütlichkeit und Entschleunigung vermitteln, eine ruhige Oase in der Fußgängerzone, die zum Verweilen einlud. Neben der Kuchentheke stand noch eine Vitrine, in der sie ein paar ihrer selbstgemachten Schmuckstücke zum Verkauf darbot. Es gab drei Tische mit Stühlen und Sitzbänken sowie sieben ausschließlich bestuhlte Plätze und Freya hatte sie so angeordnet, dass sich im Zweifelsfalle auch noch etwas rumschieben ließ, falls doch mal mehr als vier Leute zusammen an einem Tisch sitzen wollten. Generell hielt sie sich die Option offen, das Erscheinungsbild des Cafés nach und nach anzupassen, aber für den Beginn schien ihr das schon passend so. Zudem hatte es die Möglichkeit geboten, vieles von den Vorbesitzern zu übernehmen, ohne sich direkt in große Schulden zu stürzen. Ähnlich verhielt es sich auch mit der Küche, wo sie die meisten Gerätschaften noch weiterzuverwenden wusste.<br />
Die tagesaktuelle Karte verriet in geschwungenen Buchstaben das Angebot, das Kaffee, Kakao, Tee, Sandwiches und Kuchen beinhaltete. Sie wollte erst einmal kein ausladendes Angebot, weil alles davon im Bestfall ja auch verkauft wurde und zu viel bedeuten würde in der Küche nicht mehr hinterherzukommen. Je nachdem, wie das nun anlief, dachte Freya durchaus bereits darüber nach, eine Aushilfe einzustellen und auch Geburtstage und andere Feiern auszurichten, aber das war noch Zukunftsmusik. Erst einmal musste sie das Osterwochenende hinter sich bringen.<br />
<br />
Heute würde sicherlich mehr los sein. Die Geschäfte waren offen, viele Leute erledigten ihre Einkäufe, Touristen und Tagesausflügler hatten sich in die Stadt verirrt. Freya war gespannt, was die nächsten Stunden bringen würde und machte sich keine Illusionen darüber, dass sie am Abend ordentlich platt sein würde. Dennoch freute sie sich darauf, als sie die Türen schließlich aufschloss, die Karte rausstellte und es gar nicht lange dauerte, bis die ersten Leute eintrudelten.<br />
Freya empfing sie mit einem strahlenden Lächeln und war sich trotz aller Aufregung doch gewiss, dass es richtig gewesen war, das alles hier zumindest zu versuchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Freya</span></div>
<br />
Zu sagen, dass Freya aufgeregt war, wäre noch übertrieben. Sie war regelrecht aus dem Häuschen, auch wenn sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Aber das hier war eine große Sache und sie wollte es nicht in den Sand setzen. Nicht nur, weil sie es anderen angekündigt hatte, sondern weil es ihr selbst wichtig war, dass ihr Projekt funktionierte und sich nicht im Nachhinein herausstellte, dass sie sich doch übernommen hatte. Trotz all dem, was sich bei ihr über die Café-Planung hinaus noch so tat, denn auch mit ihrer neu entdeckten Magie musste sie sich nahezu tagtäglich beschäftigen. Viel Zeit zum Durchatmen blieb ihr daher aktuell nicht, aber das war auch in Ordnung für sie.<br />
<br />
Gestern, an Karfreitag, hatte sie das erste Mal für den Publikumsverkehr offengehabt. Keine große Party oder dergleichen, das wäre ohnehin an diesem österlichen Feiertag verboten gewesen. Sondern schlicht ein erstes Fühlerausstrecken, wie sich der Ablauf so gestaltete, wenn die ersten Kunden hereinkamen. Ein paar waren es gewesen, auch Freunde und Familie, so dass sie die ersten Interaktionen hatte üben und geplante Vorgehensweisen ausprobieren und stellenweise bereits anpassen können.<br />
Das war eine gute Vorgehensweise gewesen, denn ohne großes Opening hatten sich nicht zu viele Leute eingefunden und auch die begrenzte Anzahl an Mobiliar sorgte dafür, dass es nicht zu viele Leute auf einmal werden konnten, die sie zu bewirten hatte. Aber die Details würden sich nach und nach noch einfinden.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Freyas Stübchen</span> war hell eingerichtet, weiße und cremefarbene Wände, Pastelltöne in den Bildern, getrocknete Blumen an den Wänden, Frühlings- und Osterdekoration auf den Tischen. Der Gastbereich sollte bereits eine gewisse Gemütlichkeit und Entschleunigung vermitteln, eine ruhige Oase in der Fußgängerzone, die zum Verweilen einlud. Neben der Kuchentheke stand noch eine Vitrine, in der sie ein paar ihrer selbstgemachten Schmuckstücke zum Verkauf darbot. Es gab drei Tische mit Stühlen und Sitzbänken sowie sieben ausschließlich bestuhlte Plätze und Freya hatte sie so angeordnet, dass sich im Zweifelsfalle auch noch etwas rumschieben ließ, falls doch mal mehr als vier Leute zusammen an einem Tisch sitzen wollten. Generell hielt sie sich die Option offen, das Erscheinungsbild des Cafés nach und nach anzupassen, aber für den Beginn schien ihr das schon passend so. Zudem hatte es die Möglichkeit geboten, vieles von den Vorbesitzern zu übernehmen, ohne sich direkt in große Schulden zu stürzen. Ähnlich verhielt es sich auch mit der Küche, wo sie die meisten Gerätschaften noch weiterzuverwenden wusste.<br />
Die tagesaktuelle Karte verriet in geschwungenen Buchstaben das Angebot, das Kaffee, Kakao, Tee, Sandwiches und Kuchen beinhaltete. Sie wollte erst einmal kein ausladendes Angebot, weil alles davon im Bestfall ja auch verkauft wurde und zu viel bedeuten würde in der Küche nicht mehr hinterherzukommen. Je nachdem, wie das nun anlief, dachte Freya durchaus bereits darüber nach, eine Aushilfe einzustellen und auch Geburtstage und andere Feiern auszurichten, aber das war noch Zukunftsmusik. Erst einmal musste sie das Osterwochenende hinter sich bringen.<br />
<br />
Heute würde sicherlich mehr los sein. Die Geschäfte waren offen, viele Leute erledigten ihre Einkäufe, Touristen und Tagesausflügler hatten sich in die Stadt verirrt. Freya war gespannt, was die nächsten Stunden bringen würde und machte sich keine Illusionen darüber, dass sie am Abend ordentlich platt sein würde. Dennoch freute sie sich darauf, als sie die Türen schließlich aufschloss, die Karte rausstellte und es gar nicht lange dauerte, bis die ersten Leute eintrudelten.<br />
Freya empfing sie mit einem strahlenden Lächeln und war sich trotz aller Aufregung doch gewiss, dass es richtig gewesen war, das alles hier zumindest zu versuchen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ein Nervenkitzel kommt selten allein]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1368.html</link>
			<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 22:26:07 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=302">Floyd</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://the-storyteller.eu/thread-1368.html</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><div style="text-align: center;" class="mycode_align">HAGEN VON GERSDORFF</div></span><br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">19.05.2019 / Quedlinburg</div>
<br />
Geschäftsessen gehörten für Hagen schon seit Ewigkeiten zu seiner Arbeit dazu. Damals, im tiefsten Mittelalter, hatte er am Königshofe an einer der langen Tafeln diniert, später, zwischen der Renaissance, die nie in Deutschland angekommen war, und der Neuzeit, war er in opulente Gasthöfe untergekommen, war zu den Herren und Damen in ihre prächtigen Häuser eingeladen oder hatte selbst in seinen Häusern auftischen lassen. Das gemeinsame Essen mit Geschäftspartnern und Kunden hatte immer zum guten Ton gehört und Hagen hatte es auch immer gemocht. Erst beim Essen wurden die Stärken und Schwächen seiner Gegenüber richtig sichtbar. Er hatte stets beobachtet, wie die fein gekleideten Herren und Damen mit ihrem Personal umgegangen waren, welche Manieren sie beim Essen zeigten und wie sie sich ihre Verbindungen zu Hagen vorstellten. Nicht selten waren ihm ledige Töchter vorgestellt worden.<br />
Heute waren Geschäftsessen in der Organisation wesentlich einfacher zu gestalten, doch die üblichen Punkte, die er für wichtig für künftige Entscheidungen empfand, waren geblieben.<br />
Er hielt sich von Interessenten fern, die das Servicepersonal beleidigten, beim Essen ihre gute Kinderstube vergassen oder dazu übergingen, sich bei ihm einzuschleimen oder Gefälligkeiten anboten, die über das Geschäftliche hinausgingen. Hagen hatte keinerlei Interesse daran, sich ködern zu lassen. Er setzte die Bedingungen voraus. Er verhandelte. Er sagte Ja oder Nein. Kompromisse ging er nur ungern ein, und wenn, dann mussten sie einen bedeutungsschweren Grund haben.<br />
<br />
Heute war eines dieser Geschäftsessen. Er hatte mit Kevin Hudson, einem englischen Bankier und Hobbyarchitekt, um 18 Uhr ein Essen vereinbart. Sie arbeiteten schon seit einem Jahrzehnt bei einigen Projekten im europäischen Ausland zusammen, wobei es sich dabei eher um kleinere Projekte handelte, im tieferen zweistelligen Millionenbereich. Hudson gehörte zu den angenehmeren Zeitgenossen, der eine ehrliche und humorvolle Haut besass und zu Hagen ein eher freundschaftliches Verhältnis pflegte. Wann immer er sich gerade in Deutschland aufhielt oder Hagen in England verweilte, vereinbarten sie zwei Treffen. Eines, um über die Geschäfte zu reden, und eines, um über die Geschäfte zu reden und dabei zu essen.<br />
Frau Kling, Hagens Sekretärin mit einem Aussehen, wie aus einem Pornobilderbuch, hatte ein Tisch in der Weinstube am Brühl reserviert. Selbstverständlich hatte sie das. Hagen machte solche Abklärungen nicht selbst. Wozu auch? Er hatte dafür Angestellte und Frau Kling tat schlichtweg alles, was er von ihr forderte. Entsprechend gütlich wurde sie belohnt. Sie war ein Workaholic wie er. Sie ergänzten sich perfekt.<br />
<br />
Allerdings war Hagen schon eine Stunde vorher angekommen. Ihm war Pünktlichkeit wichtig, aber nicht so wichtig, wie man es bei ihm oft annahm. Ob er früher oder später als Hudson auftauchte, interessierte ihn nicht. Nein, er war nicht wegen seinem englischen Geschäftspartner so früh hergekommen, er hatte noch einen Termin eingeschoben. <br />
Hagen hatte sein Auto auf dem Parkplatz des Hotels parkiert, in welchem die Weinstube untergebracht war, und war zur gegenüberliegenden Seite des Vitalhauses gelaufen, um sich dort unter einem der schattenspendenden Bäume der Allee zu stellen. Er wartete auf Notker Lotfried, der ihm einen Zwischenbericht abgeben musste. Nicht auf Papier, nicht in einer E-Mail. Hagen erwartete den Bericht persönlich und verbal. Es war nicht immer von Vorteil, wenn alles schriftlich festgehalten wurde.<br />
Hagen trug eine schwarze Anzugshose und dazu sündhaft teure schwarze Schnürschuhe - und schwarze Socken, deren Preisetikett einen dreistelligen Betrag angezeigt hatte. Das Ganze wurde mit einem bordeauxroten Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln gekrönt. Darüber lag eine enge, massgeschneiderte, schwarze Weste. An seinem Handgelenk prangte eine goldene Audemars Piguet Royal Oak Rose Gold - Uhr im Wert eines Neuwagens. Hagen geizte nicht mit seinem Reichtum. Er zeigte ihn. Was hatte er auch zu befürchten? Er war so gut wie unsterblich und die meisten Alben waren reich - oder wurden es im Verlauf ihres Lebens. Sie lernten unaufhörlich und sie waren klug. Das galt eigentlich auch für die Lotfrieds, nur war deren Schwerpunkt eher auf die Familie gerichtet, auf die Harmonie, und weniger auf den Erfolg und den Ehrgeiz. Nun ja, in jeder guten Familie gab es ein paar Verwandte, denen man unter die Arme greifen musste.<br />
Hagen sah durch seine Cartier Panthère Gold Sonnenbrille auf seine Uhr. Es war kurz vor fünf. Er hatte Lotfried vorgestern eine Nachricht geschickt, dass er ihn hier erwartete. Hagens Auto stand Gottseidank nicht in unmittelbarer Nähe und konnte deshalb kein weiteres Mal beschädigt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><div style="text-align: center;" class="mycode_align">HAGEN VON GERSDORFF</div></span><br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">19.05.2019 / Quedlinburg</div>
<br />
Geschäftsessen gehörten für Hagen schon seit Ewigkeiten zu seiner Arbeit dazu. Damals, im tiefsten Mittelalter, hatte er am Königshofe an einer der langen Tafeln diniert, später, zwischen der Renaissance, die nie in Deutschland angekommen war, und der Neuzeit, war er in opulente Gasthöfe untergekommen, war zu den Herren und Damen in ihre prächtigen Häuser eingeladen oder hatte selbst in seinen Häusern auftischen lassen. Das gemeinsame Essen mit Geschäftspartnern und Kunden hatte immer zum guten Ton gehört und Hagen hatte es auch immer gemocht. Erst beim Essen wurden die Stärken und Schwächen seiner Gegenüber richtig sichtbar. Er hatte stets beobachtet, wie die fein gekleideten Herren und Damen mit ihrem Personal umgegangen waren, welche Manieren sie beim Essen zeigten und wie sie sich ihre Verbindungen zu Hagen vorstellten. Nicht selten waren ihm ledige Töchter vorgestellt worden.<br />
Heute waren Geschäftsessen in der Organisation wesentlich einfacher zu gestalten, doch die üblichen Punkte, die er für wichtig für künftige Entscheidungen empfand, waren geblieben.<br />
Er hielt sich von Interessenten fern, die das Servicepersonal beleidigten, beim Essen ihre gute Kinderstube vergassen oder dazu übergingen, sich bei ihm einzuschleimen oder Gefälligkeiten anboten, die über das Geschäftliche hinausgingen. Hagen hatte keinerlei Interesse daran, sich ködern zu lassen. Er setzte die Bedingungen voraus. Er verhandelte. Er sagte Ja oder Nein. Kompromisse ging er nur ungern ein, und wenn, dann mussten sie einen bedeutungsschweren Grund haben.<br />
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Heute war eines dieser Geschäftsessen. Er hatte mit Kevin Hudson, einem englischen Bankier und Hobbyarchitekt, um 18 Uhr ein Essen vereinbart. Sie arbeiteten schon seit einem Jahrzehnt bei einigen Projekten im europäischen Ausland zusammen, wobei es sich dabei eher um kleinere Projekte handelte, im tieferen zweistelligen Millionenbereich. Hudson gehörte zu den angenehmeren Zeitgenossen, der eine ehrliche und humorvolle Haut besass und zu Hagen ein eher freundschaftliches Verhältnis pflegte. Wann immer er sich gerade in Deutschland aufhielt oder Hagen in England verweilte, vereinbarten sie zwei Treffen. Eines, um über die Geschäfte zu reden, und eines, um über die Geschäfte zu reden und dabei zu essen.<br />
Frau Kling, Hagens Sekretärin mit einem Aussehen, wie aus einem Pornobilderbuch, hatte ein Tisch in der Weinstube am Brühl reserviert. Selbstverständlich hatte sie das. Hagen machte solche Abklärungen nicht selbst. Wozu auch? Er hatte dafür Angestellte und Frau Kling tat schlichtweg alles, was er von ihr forderte. Entsprechend gütlich wurde sie belohnt. Sie war ein Workaholic wie er. Sie ergänzten sich perfekt.<br />
<br />
Allerdings war Hagen schon eine Stunde vorher angekommen. Ihm war Pünktlichkeit wichtig, aber nicht so wichtig, wie man es bei ihm oft annahm. Ob er früher oder später als Hudson auftauchte, interessierte ihn nicht. Nein, er war nicht wegen seinem englischen Geschäftspartner so früh hergekommen, er hatte noch einen Termin eingeschoben. <br />
Hagen hatte sein Auto auf dem Parkplatz des Hotels parkiert, in welchem die Weinstube untergebracht war, und war zur gegenüberliegenden Seite des Vitalhauses gelaufen, um sich dort unter einem der schattenspendenden Bäume der Allee zu stellen. Er wartete auf Notker Lotfried, der ihm einen Zwischenbericht abgeben musste. Nicht auf Papier, nicht in einer E-Mail. Hagen erwartete den Bericht persönlich und verbal. Es war nicht immer von Vorteil, wenn alles schriftlich festgehalten wurde.<br />
Hagen trug eine schwarze Anzugshose und dazu sündhaft teure schwarze Schnürschuhe - und schwarze Socken, deren Preisetikett einen dreistelligen Betrag angezeigt hatte. Das Ganze wurde mit einem bordeauxroten Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln gekrönt. Darüber lag eine enge, massgeschneiderte, schwarze Weste. An seinem Handgelenk prangte eine goldene Audemars Piguet Royal Oak Rose Gold - Uhr im Wert eines Neuwagens. Hagen geizte nicht mit seinem Reichtum. Er zeigte ihn. Was hatte er auch zu befürchten? Er war so gut wie unsterblich und die meisten Alben waren reich - oder wurden es im Verlauf ihres Lebens. Sie lernten unaufhörlich und sie waren klug. Das galt eigentlich auch für die Lotfrieds, nur war deren Schwerpunkt eher auf die Familie gerichtet, auf die Harmonie, und weniger auf den Erfolg und den Ehrgeiz. Nun ja, in jeder guten Familie gab es ein paar Verwandte, denen man unter die Arme greifen musste.<br />
Hagen sah durch seine Cartier Panthère Gold Sonnenbrille auf seine Uhr. Es war kurz vor fünf. Er hatte Lotfried vorgestern eine Nachricht geschickt, dass er ihn hier erwartete. Hagens Auto stand Gottseidank nicht in unmittelbarer Nähe und konnte deshalb kein weiteres Mal beschädigt werden.]]></content:encoded>
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			<title><![CDATA[Ein in Silber und Gold bemalter Himmel]]></title>
			<link>https://the-storyteller.eu/thread-1367.html</link>
			<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 21:13:36 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://the-storyteller.eu/member.php?action=profile&uid=301">lyman</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<span style="color: transparent;" class="mycode_color">.</span><br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: 48pt;" class="mycode_size"><span style="font-family: Allison;" class="mycode_font">Ein in <span style="color: #aaaaaa;" class="mycode_color">Silber</span> und <span style="color: #FFC95F;" class="mycode_color">Gold</span> bemalter <span style="color: #1E92F7;" class="mycode_color">Himmel</span></span></span><br />
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<span style="font-family: Abril Fatface;" class="mycode_font"><span style="font-size: x-large;" class="mycode_size">Freya</span></span> &amp;  <span style="font-family: Abril Fatface;" class="mycode_font"><span style="font-size: x-large;" class="mycode_size">Quirin</span></span><br />
<hr class="mycode_hr" />
<span style="color: #aaaaaa;" class="mycode_color">Erhöht über Quedlinburg | Zur Dämmerung</span></div>
<br />
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"><span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">////</span> Quirin Thale saß oberhalb von Quedlinburg unter einem honetten Baum, umgeben von scheuem Frühlingsgeflüster schmiegte er seinen Rücken an den borkigen Stamm und spürte nach den Säften, die darin gen bald wieder sprießender Blätter gesogen wurden. Der Blonde hatte die Beine angezogen, so dass er auf den Knien sein Notizbuch hatte ablegen können. In diesem Moment schrieb der junge Mann an den Setkarten, die er seinem neuen Dunkelmond-Ritual-Paket beilegen wollte; er dachte über einen Text nach, in dem es darum ging Dinge in der Dunkelheit hinter sich zurückzulassen und was man mit den Zutaten tun sollte, die er gedachte zusammenzustellen. Nicht einmal eine Uhrzeit hätte er einem Fragenden nennen können. Irgendwas mit … Quirin sah in den Himmel auf. Schon Lichterschwebe?* Der Stift tippte an seine Stirn, über seine Finger zogen sich in sanftem Henna kunstvolle altdeutsche Runen – er überlegte, wirklich nur kurz, was er zu den Turmalinstücken schreiben sollte.<br />
Denn eigentlich war er nicht wirklich bei der Sache – welchen Namen könnte er dem geben? Eine Verabredung? Date, würden es seine Freunde nennen, denen er noch gar nichts von Freya gesagt hatte. Es hätte nur Frotzeleien nach sich gezogen: so was wie Dates hatte Q nicht.<br />
Seine Hand tat einen langen Strich. Fertig war er noch lange nicht, wie er mit einem Blick auf den mickrigen Text erkennen musste, doch der Rahmen stand. Außerdem ließ seine Schrift zu wünschen übrig, sie sackte zum Ende hin immer mehr ab. Allerdings konnte er unter den Ästen eines Baums seine Gedanken viel besser sammeln, als es ihm drinnen möglich gewesen wäre. Quirins Hand begann grantig Kreise zu zeichnen, Spiralen über die Seite zu ziehen – unzufrieden sah er wieder auf.<br />
<br />
Er hatte den Laden heute früher abgeschlossen, weil er ohnehin an nichts anderes als Freya denken konnte. Das erschien ihm unsinnig und dumm – es gab so viel zu bedenken und er dachte nur an seinen dämlichen Wunsch den Daumen auf ihr Lächeln zu legen. Ein Lächeln, auf dem stets ein zauberhafter Schimmer zu liegen schien, der womöglich an seiner Fingerkuppe hängen blieb, damit er ihn mitnehmen würde können. <br />
Heute war leider nur ein knatschiger Teenager reingekommen. Er sah solche wie sie nicht gern in seinem Laden, da sie glaubten über alles Bescheid zu wissen, viel redeten, alles anfassten und dann doch nichts kauften. Kaum, dass die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, hatte er seinen Rucksack gepackt, die Gitarre über die Schulter geworfen und hatte sich auf den Weg gemacht.<br />
Sein Blick war dabei auf den Aushang gefallen, der jetzt innen an der Tür hing. Freya war dafür sein Antrieb gewesen; sie hatte Recht gehabt.<br />
Quirin kniff die Augen zusammen, weitete seine Sicht in ein Spektrum, das nicht vielen Menschen zur Verfügung stand. Wenn Biel rief, brauchte ihn der Wald und wenn der Wald ihn brauchte, beugte der junge Priester das Knie und die Wahrheit, um dem Ruf zu folgen. Eigentlich sollte er schon froh sein, wenn er jemanden fand, der die Ware auspackte, die Bestelllisten abhakte und die Gören unterhielt, die sich hier mittags nach der Schule immer rumdrückten.<br />
Er war nicht sehr kreativ geworden. AUSHILFE GESUCHT, stand da. MINIJOB. FLEXIBLE ARBEITSZEITEN.<br />
Eine Wolke, die alle Hoffnung begrub, es könnte jemals wieder die Sonne scheinen, schob sich über sein Gesicht. Spätestens, wenn er seine Fragen stellte, die niemand stellen würde, der an den klaren Menschenverstand glaubte, der die Welt nur aus einer Perspektive heraus sah, bei dem der Wald am Horizont endete … spätestens, wenn er seine Fragen stellte, würde sich herausstellen, ob er zu wenig von seinen Vorstellungen angegeben hatte.<br />
Vielleicht sollte er Freya nach ihrer Meinung fragen, was man da am besten schrieb, schließlich hatte sie ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt ...<br />
<br />
Nachdem er sie mit dem Satz &gt;Wir sehen uns&lt; am Waldrand zurückgelassen hatte, war er tatsächlich der Einladung zu ihrer Eröffnung gefolgt. Er war neugierig gewesen, was die Junghexe auf die Beine gestellt hatte, und natürlich hatte Quirin auch nicht vergessen, dass sie sich gegenseitig unterstützen wollten und schon ein paar Flyer mitgebracht, die er ihr zögerlich gegeben hatte. In ihrem Café würden andere Hexen ein und aus gehen, nahm er an, und sein hinteres Zimmer im Laden wartete nur auf magische Kundschaft.<br />
Schlimm war gewesen, dass er irgendwie seine Stimme nicht mitgenommen hatte, es war so peinlich gewesen, so dass er die ganze Zeit über nur eisern geschwiegen hatte. Er hatte sie derart grimmig angesehen, als wäre sie nicht nur ungebeten, als sie auf ihn zukam, sondern sein persönlicher Feind. Der Glanz in ihren Augen, der Duft, der sie umgab … es machte Q beinahe verrückt, dass sich sein Atem unwillkürlich beschleunigte, wenn er sie nur ansah. Was musste Freya nur gedacht haben, als er so einsilbig auf ihre Freundlichkeit geantwortet hatte? –  walddüsterer Waldschrat. Dabei leuchteten seine Haare so hell wie das Innere eines Eissterns und das Grün seiner Augen erinnerte an das Gräserwogen. <br />
Mehr hatte er eigentlich nicht erwartet, bestimmt nicht den heutigen Abend. Warum Freya sich noch einmal mit ihm treffen wollte, warum er so dringend hatte annehmen wollen?  Es musste an der Stadt gelegen haben: nur im Wald fühlte Quirin selbstbewusst und sicher. Nur ein kleiner, ungläubiger Laut von seinen Lippen, den er gleichzeitig mit seinem Atem ausstieß. Er drückte einen der Steine, die er bei sich trug, was ihn sofort beruhigte.<br />
<br />
Er hatte Äste zusammengesucht, sich bei jedem Baum längst für die Gabe bedankt, und in einem Kreis aus dicken, runden Steinen geschichtet. Der Platz, dessen Koordinaten er Freya auf einem Zettel eingeworfen hatte, war gut gewählt: geschützt vor weit entfernten Blicken, windstill und gleichzeitig schenkte er den hier Sitzenden einen Panoramablick hinaus. Der Waldpriester sah zu, dass kein Insekt in dem Bereich des Lagerfeuers krabbelte und so womöglich zu Schaden käme.<br />
Er hatte Sitzkissen mitgebracht, so dass sich Freya nicht auf die Erde setzen brauchte, eine Decke, falls sie frieren würde. In Gläsern hatte er essbare Blüten von Bärlauch, Brennessel, Giersch und Vogelmiere gesammelt, Sirup von Fichtensprossen und Knoblauchsrauke für den, in einem feuchten Tuch eingewickelten Teig, des Stockbrots. Wilde Minze für Tee, dessen Wasser er zuvor noch an einer Quelle abgefüllt hatte und das noch erhitzt werden musste … am wichtigsten: Quirin sandte ein Stoßgebet an BIEL ihn doch diesen Abend bitte, bitte unbehelligt zu lassen.<br />
Jetzt hieß es warten. Vor allem jedoch nicht mehr so kribbelig zu sein, als könnte es ihm passieren, dass er in Brennessel griff, auch wenn seine gesamte Haut sich derart anfühlte. Er hieß sich selbst am Stamm sitzen zu bleiben und, da er sein Notizbuch zur Seite gelegt hatte, nahm er die Gitarre zur Hand, um eine leise, beruhigende Melodie zu zupfen.<br />
<br />
<br />
<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">*  Lichterschwebe – die Phase, in der das Tageslicht zu schwinden beginnt</span> <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="color: transparent;" class="mycode_color">.</span><br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: 48pt;" class="mycode_size"><span style="font-family: Allison;" class="mycode_font">Ein in <span style="color: #aaaaaa;" class="mycode_color">Silber</span> und <span style="color: #FFC95F;" class="mycode_color">Gold</span> bemalter <span style="color: #1E92F7;" class="mycode_color">Himmel</span></span></span><br />
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<span style="font-family: Abril Fatface;" class="mycode_font"><span style="font-size: x-large;" class="mycode_size">Freya</span></span> &amp;  <span style="font-family: Abril Fatface;" class="mycode_font"><span style="font-size: x-large;" class="mycode_size">Quirin</span></span><br />
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<span style="color: #aaaaaa;" class="mycode_color">Erhöht über Quedlinburg | Zur Dämmerung</span></div>
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<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"><span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">////</span> Quirin Thale saß oberhalb von Quedlinburg unter einem honetten Baum, umgeben von scheuem Frühlingsgeflüster schmiegte er seinen Rücken an den borkigen Stamm und spürte nach den Säften, die darin gen bald wieder sprießender Blätter gesogen wurden. Der Blonde hatte die Beine angezogen, so dass er auf den Knien sein Notizbuch hatte ablegen können. In diesem Moment schrieb der junge Mann an den Setkarten, die er seinem neuen Dunkelmond-Ritual-Paket beilegen wollte; er dachte über einen Text nach, in dem es darum ging Dinge in der Dunkelheit hinter sich zurückzulassen und was man mit den Zutaten tun sollte, die er gedachte zusammenzustellen. Nicht einmal eine Uhrzeit hätte er einem Fragenden nennen können. Irgendwas mit … Quirin sah in den Himmel auf. Schon Lichterschwebe?* Der Stift tippte an seine Stirn, über seine Finger zogen sich in sanftem Henna kunstvolle altdeutsche Runen – er überlegte, wirklich nur kurz, was er zu den Turmalinstücken schreiben sollte.<br />
Denn eigentlich war er nicht wirklich bei der Sache – welchen Namen könnte er dem geben? Eine Verabredung? Date, würden es seine Freunde nennen, denen er noch gar nichts von Freya gesagt hatte. Es hätte nur Frotzeleien nach sich gezogen: so was wie Dates hatte Q nicht.<br />
Seine Hand tat einen langen Strich. Fertig war er noch lange nicht, wie er mit einem Blick auf den mickrigen Text erkennen musste, doch der Rahmen stand. Außerdem ließ seine Schrift zu wünschen übrig, sie sackte zum Ende hin immer mehr ab. Allerdings konnte er unter den Ästen eines Baums seine Gedanken viel besser sammeln, als es ihm drinnen möglich gewesen wäre. Quirins Hand begann grantig Kreise zu zeichnen, Spiralen über die Seite zu ziehen – unzufrieden sah er wieder auf.<br />
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Er hatte den Laden heute früher abgeschlossen, weil er ohnehin an nichts anderes als Freya denken konnte. Das erschien ihm unsinnig und dumm – es gab so viel zu bedenken und er dachte nur an seinen dämlichen Wunsch den Daumen auf ihr Lächeln zu legen. Ein Lächeln, auf dem stets ein zauberhafter Schimmer zu liegen schien, der womöglich an seiner Fingerkuppe hängen blieb, damit er ihn mitnehmen würde können. <br />
Heute war leider nur ein knatschiger Teenager reingekommen. Er sah solche wie sie nicht gern in seinem Laden, da sie glaubten über alles Bescheid zu wissen, viel redeten, alles anfassten und dann doch nichts kauften. Kaum, dass die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war, hatte er seinen Rucksack gepackt, die Gitarre über die Schulter geworfen und hatte sich auf den Weg gemacht.<br />
Sein Blick war dabei auf den Aushang gefallen, der jetzt innen an der Tür hing. Freya war dafür sein Antrieb gewesen; sie hatte Recht gehabt.<br />
Quirin kniff die Augen zusammen, weitete seine Sicht in ein Spektrum, das nicht vielen Menschen zur Verfügung stand. Wenn Biel rief, brauchte ihn der Wald und wenn der Wald ihn brauchte, beugte der junge Priester das Knie und die Wahrheit, um dem Ruf zu folgen. Eigentlich sollte er schon froh sein, wenn er jemanden fand, der die Ware auspackte, die Bestelllisten abhakte und die Gören unterhielt, die sich hier mittags nach der Schule immer rumdrückten.<br />
Er war nicht sehr kreativ geworden. AUSHILFE GESUCHT, stand da. MINIJOB. FLEXIBLE ARBEITSZEITEN.<br />
Eine Wolke, die alle Hoffnung begrub, es könnte jemals wieder die Sonne scheinen, schob sich über sein Gesicht. Spätestens, wenn er seine Fragen stellte, die niemand stellen würde, der an den klaren Menschenverstand glaubte, der die Welt nur aus einer Perspektive heraus sah, bei dem der Wald am Horizont endete … spätestens, wenn er seine Fragen stellte, würde sich herausstellen, ob er zu wenig von seinen Vorstellungen angegeben hatte.<br />
Vielleicht sollte er Freya nach ihrer Meinung fragen, was man da am besten schrieb, schließlich hatte sie ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt ...<br />
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Nachdem er sie mit dem Satz &gt;Wir sehen uns&lt; am Waldrand zurückgelassen hatte, war er tatsächlich der Einladung zu ihrer Eröffnung gefolgt. Er war neugierig gewesen, was die Junghexe auf die Beine gestellt hatte, und natürlich hatte Quirin auch nicht vergessen, dass sie sich gegenseitig unterstützen wollten und schon ein paar Flyer mitgebracht, die er ihr zögerlich gegeben hatte. In ihrem Café würden andere Hexen ein und aus gehen, nahm er an, und sein hinteres Zimmer im Laden wartete nur auf magische Kundschaft.<br />
Schlimm war gewesen, dass er irgendwie seine Stimme nicht mitgenommen hatte, es war so peinlich gewesen, so dass er die ganze Zeit über nur eisern geschwiegen hatte. Er hatte sie derart grimmig angesehen, als wäre sie nicht nur ungebeten, als sie auf ihn zukam, sondern sein persönlicher Feind. Der Glanz in ihren Augen, der Duft, der sie umgab … es machte Q beinahe verrückt, dass sich sein Atem unwillkürlich beschleunigte, wenn er sie nur ansah. Was musste Freya nur gedacht haben, als er so einsilbig auf ihre Freundlichkeit geantwortet hatte? –  walddüsterer Waldschrat. Dabei leuchteten seine Haare so hell wie das Innere eines Eissterns und das Grün seiner Augen erinnerte an das Gräserwogen. <br />
Mehr hatte er eigentlich nicht erwartet, bestimmt nicht den heutigen Abend. Warum Freya sich noch einmal mit ihm treffen wollte, warum er so dringend hatte annehmen wollen?  Es musste an der Stadt gelegen haben: nur im Wald fühlte Quirin selbstbewusst und sicher. Nur ein kleiner, ungläubiger Laut von seinen Lippen, den er gleichzeitig mit seinem Atem ausstieß. Er drückte einen der Steine, die er bei sich trug, was ihn sofort beruhigte.<br />
<br />
Er hatte Äste zusammengesucht, sich bei jedem Baum längst für die Gabe bedankt, und in einem Kreis aus dicken, runden Steinen geschichtet. Der Platz, dessen Koordinaten er Freya auf einem Zettel eingeworfen hatte, war gut gewählt: geschützt vor weit entfernten Blicken, windstill und gleichzeitig schenkte er den hier Sitzenden einen Panoramablick hinaus. Der Waldpriester sah zu, dass kein Insekt in dem Bereich des Lagerfeuers krabbelte und so womöglich zu Schaden käme.<br />
Er hatte Sitzkissen mitgebracht, so dass sich Freya nicht auf die Erde setzen brauchte, eine Decke, falls sie frieren würde. In Gläsern hatte er essbare Blüten von Bärlauch, Brennessel, Giersch und Vogelmiere gesammelt, Sirup von Fichtensprossen und Knoblauchsrauke für den, in einem feuchten Tuch eingewickelten Teig, des Stockbrots. Wilde Minze für Tee, dessen Wasser er zuvor noch an einer Quelle abgefüllt hatte und das noch erhitzt werden musste … am wichtigsten: Quirin sandte ein Stoßgebet an BIEL ihn doch diesen Abend bitte, bitte unbehelligt zu lassen.<br />
Jetzt hieß es warten. Vor allem jedoch nicht mehr so kribbelig zu sein, als könnte es ihm passieren, dass er in Brennessel griff, auch wenn seine gesamte Haut sich derart anfühlte. Er hieß sich selbst am Stamm sitzen zu bleiben und, da er sein Notizbuch zur Seite gelegt hatte, nahm er die Gitarre zur Hand, um eine leise, beruhigende Melodie zu zupfen.<br />
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<span style="font-size: x-small;" class="mycode_size">*  Lichterschwebe – die Phase, in der das Tageslicht zu schwinden beginnt</span> <br />
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